18 Dez

Praxistipp: Systematische Ent-Sorgung

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Die Felder liegen brach. Der Schneefall vielerorts bis in die Täler hinunter zeigt uns, dass der Winter längst da ist. Die herbstliche Erntezeit ist vorüber, wir haben eine Brachzeit. Viele nutzen diese Zeit für eine persönliche, aber auch berufliche „Bilanzierung“.

Fredmund Malik vom Management Zentrum St. Gallen empfiehlt Führungskräften eine regelmäßige, systematische „Müllabfuhr“. Ich spreche lieber von Ent-Sorgung. Denn es geht dabei darum, Überflüssiges zu entsorgen, „schlanker“ und „agiler“ zu werden, und sich letztlich auch weniger Sorgen zu machen. Denn wer weniger hat, muss sich um das Wenige auch weniger Gedanken machen.

Überfluss – den wir gerade zu Weihnachten oft haben – wird nicht immer als bereichernd erlebt, häufig empfinden wir diesen als „Zuviel“, als Last. Im Laufe der Zeit sammelt sich viel an, das einmal von Nutzen war, sich aber überlebt hat. Das gilt für Waren des täglichen Gebrauchs, Kleidung und Bücher, aber auch für Konzepte, Ideen, Pläne, Dokumente, … Wer kennt das nicht? „Kreislaufwirtschaft“ für den immateriellen Bereich kann auch so gesehen werden: das Bestehende sinnvoll nutzen – Überlebtes loslassen – Platz schaffen für Neues. Goethe hat das in den letzten Zeilen seines berühmten Gedichtes „Selige Sehnsucht“ so ausgedrückt:

„Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.“

 

Eine konkrete Anregung zur systematischen Ent-Sorgung am Jahresende oder -anfang

Ich gehe alle Ziele, Pläne, Vorhaben, Aufzeichnungen, Verpflichtungen, Abonnements etc. durch und entscheide, was ich behalte und was ich weglasse. Eine kleine Checkliste dazu:

  • Welche Ziele und Vorhaben stimmen nicht mehr, haben sich überlebt?
  • Welche Zeitungen bzw. Zeitschriften, Podcasts und Blogs habe ich abonniert, lese sie aber kaum?
  • Welche Dokumente und Bücher warten schon Monate und Jahre darauf, gelesen zu werden – und sollten besser entsorgt oder verschenkt werden?
  • Welchen scheinbaren Verpflichtungen, z.B. Weihnachtsbesuche zu machen oder Einladungen auszusprechen, möchte ich nicht mehr nachkommen?
  • Zu welchen Menschen sollte ich den Kontakt minimieren oder beenden, weil die Beziehung nicht mehr stimmt?
  • Welche Ausgaben muss ich wirklich tätigen, welche mache ich nur aus Gewohnheit (z.B. bei einzelnen Versicherungen)
  • Natürlich kann ich auch im materiellen Bereich Platz schaffen: ich gehe jede Kleiderstange, jeden Karton, jede Schublade etc. durch und entsorge alles, was ich seit vielen Monaten nicht benutzt habe und voraussichtlich nie mehr benutzen werde. Das meiste verschenke ich, manches verkaufe ich.

 

So kann ich Schritt für Schritt etwas für die Vereinfachung meines beruflichen und privaten Alltags tun. Vereinfachen und Ent-sorgen heißt für mich, neue Qualitäten zu schaffen und neue Werte zu entdecken. Ich schaffe mir so Erleichterung und neue Bewegungsfreiheit. Mit der Praxis der systematischen Ent-Sorgung begleiten wir auch die TeilnehmerInnen unserer Achtsamkeits-Seminare.

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