07 Jan

Praxisbeispiel Kreislaufwirtschaft

Xerox: 95 % Materialrückholung

Schon lange vor Cradle-to-Cradle® erkannte Digitaldrucker- und Kopiererhersteller Xerox, dass es dringend notwendig ist, mit Rohstoffen verantwortungsvoll umzugehen. [1]

Während eines großen Kreativitätsworkshops zur damaligen Digitalisierung und Vernetzung von Druckern und Kopierern entdeckten einige Ingenieure und Produktdesigner Reste eines Xeroxkopiergeräts auf einer Mülldeponie. Bei den Entwicklern kamen aufgrund dieser Entdeckung Emotionen auf, was in den Workshops zur Entstehung der „Zero to Landfill“-Initiative (null Abfall zur Deponie) führte, die bei Xerox heute noch eine zentrale Bedeutung hat. Durch die emotionale Anbindung aller Designer an das höhere System Natur konnte ein völlig neues Produktkonzept entstehen: Aus einem Produkt aus über 2.000 Einzelteilen wurde eine komplett neue Geräteplattform mit weniger als 200. Nicht nur die neue Gerätegeneration, sondern auch die gesamte Entwicklungsanlage, wurde nach dem Prinzip „Zero to Landfill“ gebaut – bis hin zu den Kaffeetassen und Produktverpackungen.

Heute werden in den USA 95% aller Xeroxprodukte dem Hersteller am Ende ihres Lebenszyklus zurückgegeben. [2]

2009 wurden von Xerox auf diese Weise über 45.000 Tonnen Material zurückgenommen, wovon 95 Prozent wiederverwendet wurden. 70-90 Prozent der Maschinenteile wurden in neuen Geräten eingebaut. Dies bedeutet laut Hersteller eine Kostenersparnis für neue Rohstoffe in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar. Produktteile werden in hoher Qualität für mehrere Produktlebenszyklen gebaut. Sie bekommen Seriennummern, die Anweisungen für Wiedergebrauch oder -verwertung beinhalten und leicht mit einem effizienten Scanverfahren erfasst und zugeordnet werden können. Das Designen neuer Geräte erfolgt immer um bestimmte Kernkomponenten herum, sodass „neue“ Geräte immer circa 60 Prozent „alte“ Teile beinhalten. Diese Entwicklung dauerte Jahre: In 1995 konnte der Hersteller 78% ihrer zurückgenommenen Teile wiederverwerten, in 2009 waren es schon 95%.

Die Kundenakzeptanz dieses Konzepts bleibt heute allerdings gemischt. Solange der Kunde noch Produkte im klassischen Sinne „kauft“, sind gebrauchte Teile kein gutes Verkaufsargument. Daher bietet Xerox heute lieber Dienstleistungen wie Managed Print Services und Dokumenten- und Datenmanagement an. [3]

Sie müssen dafür die Drucker oder Kopierer nicht verkaufen, sondern nur die Druck- oder Kopierfunktion. Nach beispielsweise zehn Millionen Kopien wird das Gerät einfach gegen ein leistungsfähigeres ausgetauscht.

 

[1] Die notwendige Revolution

[2] http://www.xerox.com/corporate-citizenship-2010/sustainability/waste-prevention.html

[3] Vgl. http://www.xerox.de (aufgerufen am 1.08.2013)

Evelyn Oberleiter

Evelyn Oberleiter

Menschen und Organisationen in tiefgehenden Entwicklungsprozessen zu begleiten, die die Wahlfreiheit und die Achtsamkeit füreinander sowie für die Umwelt erhöhen, ist die Triebfeder ihres Handelns.

Evelyn Oberleiter, Mitbegründerin des Terra Institute, begleitet und berät seit über zehn Jahren Unternehmen und Organisationen unterschiedlichster Branchen und Größen. Den Fokus setzt sie dabei auf Organisationsentwicklung, Restrukturierungen, Unternehmenskulturprozesse, Implementierung effizienter und strukturierter Kommunikationsräume und –abläufe, sowie partizipative Führungsansätze. Evelyn Oberleiter verfügt über ein breites Wissen, ein schnelles Auffassungsvermögen, hohe Prozesskompetenz und Ergebnisorientierung, eine ausgedehnte Analyse- und Reflexionsfähigkeit, hohe Kommunikationskompetenz, sowie ein ausgeprägtes Systemdenken, Eigenschaften, die es ihr ermöglichen Gruppen wie auch Individuen sicher und langfristig durch Höhen und Tiefen zu navigieren. Neben ihrer Tätigkeit als Beraterin und Trainerin ist sie Geschäftsführerin des Terra Institute, der Terra Mater (Herstellung biologisch-dynamischer Erde) und der Terra Energy (Windkraft-Projekte).
Evelyn Oberleiter
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