23 Nov

Praxisbeispiel Kalundborg Symbiosis

Die Kalundborg Symbiosis in der gleichnamigen dänischen Gemeinde ist Kreislaufwirtschaft in Aktion.

Es ist eine Partnerschaft benachbarter und durch kurze Transportwege verbundener Industriebetriebe sowie öffentlicher Einrichtungen. Das Konzept ist einfach: der Abfall des einen (z.B. Dampf/Wärme, Gase, Asche, Schlamm) wird zum Rohstoff des anderen. In dieser engen Kooperation geht die Einsparung von Kosten mit der Reduktion von Emissionen und Restabfall einher.

Die Zusammenarbeit und Vernetzung im Kalundborg Eco-Industrial Park entwickelte sich über einen Zeitraum von etwa zwei Jahrzenten ab den 1970er Jahren auf Eigeninitiative der beteiligten Unternehmen. Eines der durch Energie- und Materialflüsse am engsten vernetzten Elemente dieses Systems ist ein Kohlekraftwerk (Baujahr 1959) mit einer Leistung von 1500MW. Seine Abwärme heizt 3500 Haushalte und eine Fischzucht, Wasserdampf wird an Novo Nordisk (Pharmaindustrie) verkauft. Dies reduziert die Wärmebelastung des zur Kühlung benötigten Meerwassers.  Zudem produziert das Kraftwerk als Nebenprodukt seiner Filteranlage Kalziumsulfat (Gips) für den lokalen Hersteller von Gipskarton (Gyproc), der dadurch kaum noch auf Gips aus dem Tagebau angewiesen ist. Flugstaub und Schlacke aus der Filteranlage werden für Straßenbau und Zementproduktion verwendet.

Die Statoil Raffinerie liefert überschüssiges Raffineriegas an Gyproc und das Kraftwerk, und stellt Letzterem Abwasser zu Kühl- und Reinigungszwecken zur Verfügung. Auch das Wasserversorgungsnetz wurde von den örtlichen Verbrauchern gemeinsam aufgebaut. Nährstoffreicher Schlamm von der Fischzucht und von Novo Nordisk werden von lokalen Landwirtschaftsbetrieben zur Düngung verwendet.

 

Abb. 1: Flüsse zwischen den Elementen der Kalundborg Symbiosis

Abb. 1: Flüsse zwischen den Elementen der Kalundborg Symbiosis

 

Kalundborg prägte den Begriff der Industriellen Symbiose als eine Kooperation und physische Vernetzung verschiedener Unternehmen, in der jedes einen Beitrag für die Wirtschaftlichkeit der anderen leistet und gleichzeitig die Forderung der Gesellschaft nach mehr Umweltschutz erfüllt (Chertow 2007).

Spätere Versuche, Eco-Industrial Parks nach dem Vorbild von Kalundborg nach Planung am Reißbrett aufzubauen, schlugen weitgehend fehl. Offenbar braucht es, ganz wie bei Symbiosen in der Natur, einen Prozess der Koevolution, in dem sich die Partner aufeinander einstimmen können.  Sobald Rohstoffe nicht mehr billig und ungeachtet der ökologischen und sozialen Auswirkungen aus allen Erdteilen bezogen werden können, dürften solche private Initiativen aus rein wirtschaftlichem Interesse zur Regel werden. Wer Partnerschaften und Symbiosen jetzt schon als Beitrag zum Leben und zum Gesamtsystem Erde anerkennt, verleiht seinem Unternehmen einen evolutionären Sinn.

http://www.symbiosis.dk/en/

 

Constantin Harrer

Constantin Harrer

Neue Wege gehen, um den Einklang zwischen Menschen, Gesellschaft und Natur wiederherzustellen.

Constantin Harrer sieht sich an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Realitäten, die er auf seinen vielseitigen Reisen, Studiengängen und Freiwilligendiensten in aller Welt erlebt hat. Auch wenn er akademisch aus dem Bereich Umweltwissenschaften und Forstwirtschaft kommt, sind ihm die Menschen ein zentrales Anliegen; es faszinieren ihn daher alternative Modelle des Wirtschaftens, Arbeitens und Zusammenlebens. Bei seiner Arbeit mit dem Terra Institute möchte Constantin Harrer unterstützen, vermitteln, hinterfragen und auf neue Ideen bringen. Auch ist er versiert in der Analyse und der Darstellung komplexer Sachverhalte in Form von Texten und Präsentationen, die er wortgewandt auch auf Englisch erstellt. In seiner Freizeit ist Constantin am liebsten draußen in der Natur und in den Bergen unterwegs, eine Leidenschaft, die ihn schon sein ganzes Leben begleitet.
Constantin Harrer

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