29 Sep

Nachhaltiger Tourismus und Auszeichnung für TourCert

Der Tourismus spielt auf globaler Ebene eine ambivalente Rolle: Er ist einer der bedeutendsten und am stärksten wachsenden Wirtschaftssektoren weltweit. In vielen Ländern des globalen Südens, gerade in einigen wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern und besonders den kleinen Inselstaaten, ist er die Hauptdevisenquelle und ein Motor für die wirtschaftliche Entwicklung.

Weltweit hängt etwa jeder elfte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Der Tourismus hat damit das Potenzial, positive wirtschaftliche Impulse zu setzen. Gleichzeitig sind die rund 280 Millionen Jobs, die weltweit direkt und indirekt dem Tourismus zugerechnet werden, vielfach geprägt von prekären Arbeitsbedingungen und Saisonalität. Dabei sind viele davon im informellen Sektor ohne jegliche Rechtssicherheit angesiedelt.
Die ökologischen Auswirkungen des Tourismus schlagen global gesehen eher negativ zu Buche. Insbesondere die Anreise mit dem Flugzeug verursacht mehr CO2-Emissionen als alle Aktivitäten vor Ort, mit gravierenden Auswirkungen für den Klimawandel. So belegt das Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr in seinem Luftverkehrsbericht, dass der jährliche weltweite Passagierverkehr zwischen 2009 und 2014 um ein Drittel gestiegen ist – von rund 2,5 Milliarden auf fast 3,3 Milliarden beförderte Personen pro Jahr.
Ein hoher Verbrauch von Ressourcen wie Wasser, Land und Lebensmittel kann Verteilungskonflikte auslösen. Gleichzeitig kann der Tourismus Naturpotenziale in Wert setzen und so zu ihrem Erhalt beitragen.
Und auch im sozialen und kulturellen Bereich wird deutlich, dass der Tourismus positive und negative Veränderungen bewirkt. Während auf der einen Seite Fischer und Bauern ihr Einkommen verbessern können, wenn sie ihre Produkte an Hotels und Restaurants verkaufen, droht ihnen auf der anderen Seite Vertreibung, wenn Strände privatisiert, Flughäfen oder Hotelanlagen gebaut werden.
Global gesehen setzen Tourismusverantwortliche noch nicht konsequent auf einen nachhaltigen Pfad. Denn der vorherrschende Tourismus ist ressourcen- und emissionsintensiv – mit steigender Tendenz. Er ist arm an authentischen Begegnungen und Erfahrungen. Und das in einer globalisierten Welt, in der sich die Angebote immer stärker ähneln. Lokale Besonderheiten werden nicht hinreichend entfaltet.
Während Tourismusakteure weltweit, von Unternehmen und Investoren über Regierungen bis hin zur Welttourismusorganisation (UNWTO), die positiven wirtschaftlichen Wirkungen hervorheben, werden die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen des Tourismus oft nicht deutlich benannt.
Ein tiefgreifender Systemwandel hin zu einer zukunftsfähigen Lebens- und Wirtschaftsweise muss alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereiche betreffen – auch den Tourismus. Dieser hat die aktuellen globalen Herausforderungen in Teilen mitverschuldet. Gleichzeitig birgt er aber auch das Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zu deren Lösungen zu leisten.

Nachhaltigkeits-Zertifikat TourCert

Ein potentieller Ansatz sich in diese Richtung zu bewegen, ist die Arbeit über sogenannte Nachhaltigkeitssysteme. Systematisch können sich Betriebe und Organisationen mit ihren Themen auseinandersetzen und neue Wege und Lösungen suchen. Seit 2016 ist das Terra Institute preferred Partner für Italien für das, speziell auf die Bedürfnisse des Tourismus zugeschnittene, Nachhaltigkeits-Zertifikat TourCert und begleitet und berät Unternehmen auf diesem Weg.
Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. und das Zentrum für Nachhaltigen Tourismus (ZENAT) haben nun eine Studie zu Zertifizierungssystemen für nachhaltigen Tourismus in Deutschland veröffentlicht. Unter den 36 untersuchten Zertifizierungssystemen sticht TourCert besonders hervor.
Die TourCert-Zertifizierung für Reiseveranstalter erreichte Platz 1, für Unterkünfte Platz 2 und für andere Tourismusunternehmen Platz 5. Bei der Analyse wurden insbesondere Transparenz, Glaubwürdigkeit und inhaltliche Anforderungen geprüft.
Aber sehen Sie selbst – den vollständigen Bericht finden Sie hier. Er ist recht umfangreich, die Zusammenfassung zu Beginn gibt allerdings einen guten Überblick.
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