23 Nov

Leuchtturm-Unternehmen zeigen, wie es geht

Patagonia, CoremanNet und Interface zeigen, wie Circular Economy in Unternehmen funktionieren kann.

Patagonia (USA)

Bekleidungsunternehmen

Der US-Amerikanische Hersteller von Outdoor-Ausrüstung Patagonia hat sich mit seiner ökologischen Ausrichtung und seinen unkonventionellen Kampagnen immer wieder einen Namen gemacht. So z.B. durch die Werbeanzeige mit dem Slogan: „Don’t Buy This Jacket“ als Teil der ebenso konsumkritischen Common Threads Initiative. Patagonia verschreibt sich damit neben den klassischen Kreislaufwirtschafts-Prinzipien von reduce, repair, reuse und recycle auch dem weitergehenden Prinzip von „reimagine“, und dem damit einhergehenden Systemwandel. Das Motto: „Together we reimagine a world where we take only what nature can replace“.

Patagonia‘s Werbeanzeige gibt es auch in einer ausführlicheren Version

Abb.1: Patagonia‘s Werbeanzeige gibt es auch in einer ausführlicheren Version

 

Den Worten folgen bei Patagonia auch Taten. Patagonia optimiert nicht nur Lieferketten und Produktionsprozesse zur Minimierung von Abfall und Umweltbelastungen. Es betreibt außerdem eine Reparaturwerkstatt mit derzeit 60 Mitarbeitern und den Service „Wornwear“ zum einfachen Weiterverkauf gebrauchter Patagonia-Produkte. Darüber hinaus hat das Unternehmen den ausdrücklichen Anspruch, auf die Gesellschaft und andere Unternehmen zu wirken, indem es zu bewusstem Konsum und nachhaltigem Wirtschaften animiert und praktische Tipps dafür gibt.

 

CoremanNet (Deutschland/EU)

Service für Altteilerückführung in der Automobilindustrie (reverse logistics)

CoremanNet (betrieben von der Circular Economy Solutions GmbH, Teil der Bosch Gruppe) ist das weltweit größte Servicenetz zur Rücknahme von Automobilkomponenten. Nach Wiederaufarbeitung („Remanufacturing“) werden sie als Ersatzteile für Gebrauchtfahrzeuge ausgeliefert. Bei einer Rücknahmequote von 90 Prozent können mithilfe von CoremanNet in der Automobilindustrie in der EU jährlich etwa 400 000 Tonnen CO2 eingespart werden (gegenüber dem Einsatz von neu produzierten Ersatzteilen). Das entspricht den Emissionen, die von rund 40 000 durchschnittlichen deutschen Bürgern verursacht werden.

CoremanNet zeigt auf, wie logistische Herausforderungen der Circular Economy gelöst werden können. Ein wichtiges Prinzip ist dabei reverse logistics: Die Lieferkette für Ersatzteile verläuft für die Rücknahme von Gebrauchtteilen in die umgekehrte Richtung.

 

Ersatzkomponenten werden ausgeliefert und dafür defekte Komponenten über die gleiche Lieferkette zur Wiederaufbereitung geschickt

Abb. 2: Ersatzkomponenten werden ausgeliefert und dafür defekte Komponenten über die gleiche Lieferkette zur Wiederaufbereitung geschickt

 

2015 wurde des Unternehmen mit dem Bundespreis für Ecodesign ausgezeichnet. Die Jury überzeugte der Service, der „Stoffkreisläufe schließt, signifikant Ressourcen einspart und zudem auch auf andere Branchen übertragbar ist“ (Jurystatement).

 

Interface

Textile Bodenbeläge, Teppichfliesen

1994 erklärte der Firmengründer von Interface ein ehrgeiziges Ziel: „Wir werden das erste Unternehmen sein, das der ganzen Welt demonstriert, was Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen bedeutet – in Bezug auf Menschen, Prozesse, Produkte, Orte und Profitabilität.“ Dies geschah vor dem Hintergrund ausgesprochen energie- und ressourcenintensiver Produktionsprozesse von Teppichböden, die im Laufe der Jahre grundlegend nach ökologischen Kriterien umgestaltet wurden. Dadurch konnten bisher nach firmenangaben bereits 90% des CO2-Fußabdrucks und 96% des Wasserverbrauchs eliminiert werden. In der gegenwärtigen „Mission Zero“ verpflichtet sich das Unternehmen, bis 2020 negative Umweltauswirkungen vollständig zu vermeiden.

Wesentliche Aspekte der Umgestaltung betreffen Recycling, Eco-Design und Kooperation mit Partnern entlang der Lieferkette, also Kernaspekte der Circular Economy. Der Materialverbrauch wird minimiert und der Anteil an recyceltem oder erneuerbaren Rohstoffen erhöht. Eines der Beispiele für den Erfindungsreichtum, der dabei in Gang gesetzt wurde: ressourcenintensiver Latex zur Beschichtung von Garnen wird mit recyceltem Verbundmaterial aus ausgedienten Windschutzscheiben ersetzt.

 

Abb. 3: ein Produktbeispiel von Interface

Abb. 3: ein Produktbeispiel von Interface

 

Nach dem Motto „There has to be a better way“ setzt sich das Unternehmen für einen Systemwandel in der Wirtschaft ein, in dem die Umweltneutralität der nächste Meilenstein aber nicht das Ende einer beständigen Weiterentwicklung ist. Auch ökologische Regeneration, soziales Engagement und Produktdesign mit dem Menschen im Mittelpunkt sind zentrale Themen.

 

Weitere Beispiele von Unternehmen, die sich der Circular Economy verschrieben haben

Constantin Harrer

Constantin Harrer

Neue Wege gehen, um den Einklang zwischen Menschen, Gesellschaft und Natur wiederherzustellen.

Constantin Harrer sieht sich an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Realitäten, die er auf seinen vielseitigen Reisen, Studiengängen und Freiwilligendiensten in aller Welt erlebt hat. Auch wenn er akademisch aus dem Bereich Umweltwissenschaften und Forstwirtschaft kommt, sind ihm die Menschen ein zentrales Anliegen; es faszinieren ihn daher alternative Modelle des Wirtschaftens, Arbeitens und Zusammenlebens. Bei seiner Arbeit mit dem Terra Institute möchte Constantin Harrer unterstützen, vermitteln, hinterfragen und auf neue Ideen bringen. Auch ist er versiert in der Analyse und der Darstellung komplexer Sachverhalte in Form von Texten und Präsentationen, die er wortgewandt auch auf Englisch erstellt. In seiner Freizeit ist Constantin am liebsten draußen in der Natur und in den Bergen unterwegs, eine Leidenschaft, die ihn schon sein ganzes Leben begleitet.
Constantin Harrer

Letzte Artikel von Constantin Harrer (Alle anzeigen)

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail