04 Dez

Die lebendige Organisation

Wir können für die Wirtschaft viel von der Natur lernen. Ob in der Produktentwicklung, in der Organisation oder in der Energieversorgung, bieten natürliche Prozesse und Abläufe erprobte und resiliente Muster für unsere unternehmerische Entwicklung.

Die Imagozellen der Raupe ist ein besonders faszinierendes und inspirierendes Beispiel:

Die Imagozellen eines Unternehmens finden, fördern und motivieren [1]

Wenn sich eine Raupe in ihren Kokon einspinnt, dann entstehen – so beschreibt es die amerikanische Autorin Norie Huddle in ihrem Buch Butterfly – A Tiny Tale of Great Transformation, in ihrem Körper neue Zellen, die von der Wissenschaft Imagozellen genannt werden. Sie schwingen in einer anderen Frequenz als der Rest des Raupenkörpers und werden vom Immunsystem der Raupe für feindliche Fremdkörper gehalten, angegriffen und verschlungen. Diese neuen Zellen entstehen aber immer wieder und werden immer mehr, sodass das Immunsystem der Raupe sie bald nicht mehr schnell genug vernichten kann. Immer mehr Imagozellen überleben und dann passiert etwas Unerwartetes: Die kleinen und bis dahin ziemlich einsamen Imagozellen beginnen sich in kleine Klumpen zu verbinden. Sie schwingen auf einer ähnlichen Ebene und beginnen Informationen miteinander auszutauschen. Nach einer Weile passiert wieder etwas Erstaunliches: Diese Klumpen von Imagozellen verbinden sich zu richtige Gruppen! Sie organisieren sich in einen langen Faden von haufenweise verklumpten Imagozellen, die in der gleichen Frequenz schwingen und nun in größerem Maßstab miteinander innerhalb der verpuppten Larve Informationen austauschen. Plötzlich scheint dieser lange Faden von Imagozellen zu begreifen, dass er etwas Eigenständiges ist. Etwas anderes als die Raupe. Etwas Neues! Mit der Erkenntnis einer eigenen Identität verwandelt er den alten Raupenkörper von innen: die eigentliche Geburt des Schmetterlings. Jetzt kann jede Schmetterlingszelle ihre eigene Aufgabe übernehmen. Jede neue Zelle hat nun etwas zu tun, ist wichtig. Und alle anderen Zellen unterstützen sie darin, genau das zu tun. Das ist die perfekte Methode, einen Schmetterling zu erschaffen. Und der perfekte Weg, eine Schmetterlingsbewegung aufzubauen. Wer sind die Imagozellen Ihres Unternehmens? Werden sie gefördert und motiviert? Gibt es in Ihrer Organisation Prozesse, um diese neuen und kreativen Menschen, Ideen oder Prozesse willkommen zu heißen und weiter zu entwickeln?

[1] Vgl. Dr. Geseko v. Lüpke: Zukunft entsteht aus Krise, Nicanor Perlas im Gespräch mit Geseko v. Lüpke, 2009

Evelyn Oberleiter

Evelyn Oberleiter

Menschen und Organisationen in tiefgehenden Entwicklungsprozessen zu begleiten, die die Wahlfreiheit und die Achtsamkeit füreinander sowie für die Umwelt erhöhen, ist die Triebfeder ihres Handelns.

Evelyn Oberleiter, Mitbegründerin des Terra Institute, begleitet und berät seit über zehn Jahren Unternehmen und Organisationen unterschiedlichster Branchen und Größen. Den Fokus setzt sie dabei auf Organisationsentwicklung, Restrukturierungen, Unternehmenskulturprozesse, Implementierung effizienter und strukturierter Kommunikationsräume und –abläufe, sowie partizipative Führungsansätze. Evelyn Oberleiter verfügt über ein breites Wissen, ein schnelles Auffassungsvermögen, hohe Prozesskompetenz und Ergebnisorientierung, eine ausgedehnte Analyse- und Reflexionsfähigkeit, hohe Kommunikationskompetenz, sowie ein ausgeprägtes Systemdenken, Eigenschaften, die es ihr ermöglichen Gruppen wie auch Individuen sicher und langfristig durch Höhen und Tiefen zu navigieren. Neben ihrer Tätigkeit als Beraterin und Trainerin ist sie Geschäftsführerin des Terra Institute, der Terra Mater (Herstellung biologisch-dynamischer Erde) und der Terra Energy (Windkraft-Projekte).
Evelyn Oberleiter
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