17 Nov

Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit – Best Practise aus Baden-Württemberg

Das Land Baden-Württemberg hat im Jahr 2014 mit der WIN-Charta einen auch für kleine und mittlere Unternehmen gut gangbaren Ansatz zum umfassenden Nachhaltigkeitsengagement geschaffen. WIN steht für die „Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit“. Mitglieder in diesem Gremium sind Eigentümer, Geschäftsführer oder leitende Manager von Unternehmen aus Baden-Württemberg, die sich für nachhaltiges Wirtschaften einsetzen. Hinzu kommen Experten mehrerer Verbände und Kammern sowie Vertreter der Landesverwaltung. Durch dieses breite Bündnis wurde von vorneherein sichergestellt, dass die WIN-Charta sehr praxistauglich ist.

In den 12 Charta-Leitsätzen wird die ganze Bandbreite der Nachhaltigkeitsausrichtung abgebildet. Die Unternehmen müssen dabei nicht mit gleicher Intensität alle Leitsätze gleichzeitig erfüllen, sondern sind ermutigt, sich jährlich Schwerpunkte zu setzen. Verpflichtend ist allerdings das Engagement des Unternehmens in einem lokalen Projekt. Beispiele sind das Engagement in einer örtlichen Förderschule, die Unterstützung einer Stiftung für Heimatkultur, die Installation von Ladestationen für E-Bikes oder die Begleitung eines Energiewettbewerbs in Schulen. So verstärken die Unternehmen ihre Bindung in der Region.

Nach jeweils 15 Monaten Laufzeit berichtet das Unternehmen der regionalen Öffentlichkeit über die erzielten Fortschritte, an das Land Baden-Württemberg geht nur ein kurzer Bericht. Damit wird ein deutlicher Unterschied zu den sonst manchmal ausufernden Nachhaltigkeitsberichten gesetzt: schlanke schriftliche Berichtsform, Engagement in der Region und Rechenschaftspflicht gegenüber der regionalen Öffentlichkeit sind Besonderheiten der WIN-Charta. Besonders die Förderung des lokalen Engagements und der Stakeholderdialog mit der regionalen Öffentlichkeit bewegt viele Unternehmen, sich bei WIN zu engagieren, denn die Firmen in Baden-Württemberg haben traditionell eine starke regionale Verwurzelung. Hinzu kommt: das Hauptproblem der meisten Unternehmen ist derzeit die Gewinnung neuer Mitarbeiter, der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ist leergefegt. Die WIN-Charta macht die Unternehmen besser sichtbar als es ein ausführlicher Bericht nach anderen Standards könnte.

Ein aktuelles Beispiel für den gelebten Stakeholderdialog in einem mittelständische Unternehmen: Zur Diskussion der erzielten Ergebnisse 15 Monate nach Beginn des WIN-Engagements kamen 50 Vertreter der Anspruchsgruppen: Lieferanten, Kunden, Nachbarn des Werkes, Vertreter der Stadtverwaltung, der IHK, der Parteien und der Kirchen, regionale Umweltverbände, Journalisten und Mitarbeiter. Beginnend mit einer Werksbesichtigung wurde 1,5 Tage lang über alle Einzelheiten des ersten Berichtsentwurfes diskutiert. Dabei wurden auch viele kritische Fragen gestellt, nicht immer ganz angenehm für die Firmenleitung. Gleichzeitig kam von den Stakeholdern an anderen Punkten aber auch die Ermutigung „Stellt Euer Licht nicht unter den Scheffel, hier seid ihr doch schon viel weiter als alle anderen!“ Insgesamt ein voller Erfolg aus Sicht wohl aller Beteiligten.

Die WIN-Charta findet inzwischen auch Beachtung über die Landesgrenzen von Baden-Württemberg hinaus. Und: ein aktuelles Gutachten der Landesregierung hat die Kompatibilität der WIN-Charta zur ab Januar 2017 EU-weit geltenden Pflicht zur sog. nichtfinanziellen Berichterstattung bestätigt. Hier müssen nur einige Punkte zur Geschäftsstrategie und zum Managementsystem ergänzt werden, die bisher in der WIN-Charta noch nicht abgebildet wurden.

Nach zwei Jahren des Bestehens haben bereits 99 Unternehmen die WIN-Charta unterschrieben (Stand 4.11.2016), vom kleinen KMU bis zum DAX-Unternehmen. Wer wird Unternehmen „100“ sein?

www.win-bw.com/win-charta.html

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