15 Apr

Wesentlichkeitsanalyse – von der Pflicht zur Kür

Sie wollen als Unternehmer einen CSR Report erstellen, um die EU Berichtspflicht zu erfüllen? Sie wundern sich, warum Sie in der Literatur den Begriff „Wesentlichkeitsanalyse“ finden? Wir zeigen Ihnen, was er bedeutet und wie Sie sinnvoll damit umgehen ….

Woher kommt der Begriff, was bedeutet er und was fangen wir mit ihm an?

Der Begriff kommt aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch (wird dort „materiality analysis“ genannt) und stellt ein Prinzip der Rechnungslegung dar. Bei der Aufstellung eines Jahresabschlusses müssen alle Tatbestände berücksichtigt werden, die wegen ihrer Größenordnung einen Einfluß auf das Ergebnis haben und wegen ihres Aussagewertes Bedeutung für die Leser der Abschlüsse haben.

Dieses Prinzip wurde dann übertragen auf die Berichterstattung von nichtfinanziellen Kennzahlen im Rahmen eines Nachhaltigkeitsberichtes, wie es z.B. im Standard der Global Reporting Initiative gefordert ist.

Materiality bedeutet also, welche Auswirkungen – positiv und negativ – des Wirtschaftens auf die verschiedenen firmeninternen und – externen Anspruchsgruppen (Stakeholder) und die Umwelt („green house gas emissions“) vorhanden sind. Es können auch ganz immaterielle Größen dabei sein, wie z.B. die Zufriedenheit der Mitarbeitenden.

Das deutsche Wort „Wesentlichkeit“ beschreibt deshalb verständlicher worum es geht, nämlich zu unterscheiden zwischen dem, was an Auswirkungen wesentlich ist und dem was unwesentlich ist. Die zweidimensionale Darstellung dieser Analyse nennt man dann Wesentlichkeitsmatrix, in der die einzelnen Auswirkungen auf die Stakeholder über der Wirkung auf den unternehmerischen Erfolg aufgetragen werden. Eine ehrliche Bestandsaufnahme tut Not – wie könnte sie besser gelingen, als wenn man die relevanten Anspruchsgruppen fragt? Wie geht man dabei in der Praxis vor?

Zunächst macht man ein Stakeholder-Mapping, das bei multinationalen Firmen in den einzelnen Ländern ganz unterschiedliche Anspruchsgruppen liefern kann. Mitarbeiter, Kapitalgeber und Kunden sind immer dabei. Dann sind die Art und der Prozess des Dialogs zu planen.

In der Anfangsphase der Nachhaltigkeitsberichterstattung geht es meist um reine Konsultationen, das Einholen von Feedback, was unter Umständen auch über online-Befragungen gemacht werden kann. Das ist die Pflicht, sie wird in allen Berichtsstandards gefordert. Die Kür fängt da an, wo aus reinen Konsultationen Kooperationen werden.

Durch die Institutionalisierung des Stakeholderdialogs können Unternehmen systematisch Impulse aufnehmen, die von internen oder externen Stakeholdern kommen. Dann geht es um mehr als nur um die Verminderung schädlicher Auswirkungen der bisherigen Geschäftstätigkeit. Dann kann eine grundlegende Erneuerung stattfinden, die sich auswirkt in der Aufbau- und Ablauforganisation, im Produkt- und Dienstleistungsangebot und vielleicht sogar im Geschäftsmodell.

Matrix

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