15 Apr

Welche Kompetenzen braucht nachhaltiges Wirtschaften?

Kompetenzen sind die globale Währung des 21. Jahrhunderts (Angel Gurria, OECD-Generalsekretär)

Die Frage, welche Kompetenzen wir für die Gestaltung einer immer komplexeren Zukunft brauchen, dominiert nicht nur die Bildungsdiskussion, sondern zunehmend auch die Unternehmenswelten. Vor allem Unternehmen, die sich zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise bekennen, sehen sich mehr und mehr mit Herausforderungen konfrontiert, die über herkömmliche Skills und Fähigkeiten nicht mehr bewältigt werden können.

Braucht nachhaltiges Wirtschaften also besondere Kompetenzen?

Ja, meinen Experten, wie Prof. Arnim Wiek von der Arizona State University, und formulieren fünf Kategorien von Schlüsselkompetenzen, in denen die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit eine ganz besondere Rolle spielt:

  • Systemische Kompetenzen: Ganzheitliches Denken, Interdisziplinäres Denken, Verbindung von ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit
  • Antizipatorische- und Zukunftskompetenzen: Szenarienbildung, Visionskraft, Fähigkeit mit Risiko und Unsicherheit umzugehen
  • Normative Kompetenzen: Orientierung an Nachhaltigkeitswerten, Orientierung an Konzepten der Kooperation, Fairness und Gerechtigkeit
  • Strategische Kompetenzen: Innovationsfähigkeit, Changemanagement
  • Interpersonale Kompetenzen: Fähigkeit zu Dialog und Konsens, Netzwerk-Kompetenz

Was zählt sind Werte!

Doch das Thema ist nicht ein rein akademisches, wie eine Studie im Rahmen des europäischen Projektes CASE (Competencies for a sustainable socio-economic development) beweist. 48 Unternehmen aus fünf europäischen Regionen wurden befragt, darunter aus der Metropolregion Wien, Götheborg, Brno, dem norddeutschen Vechta und Südtirol. Die Ergebnisse sind überraschend. Was zählt, ist nicht so sehr das harte Faktenwissen, sondern Werte. Die befragten UnternehmerInnen sehen es als zentral für den Wandel zu einer nachhaltigeren Zukunft, dass Werte nicht nur im Kopf bleiben, sondern als Achse und Orientierung im alltäglichen Betriebsablauf dienen. Dabei stehen Kooperation, Fairness und Respekt für Mensch und Natur ganz oben auf der Prioritätenliste. „Wir müssen eine Alternative zu diesem überbordenden Egoismus in unserem Wirtschaftssystem finden“, bringt es ein Unternehmer auf den Punkt. Ganzheitliches Denken, Lösungsorientierung und Dialog werden als weitere wichtige Fähigkeiten betrachtet, die so früh wie möglich vermittelt werden sollten. „Die Kinder sollten schon von der Grundschule an mit Nachhaltigkeitswerten aufwachsen“, sagt eine Unternehmerin, „bis hin zur Universität, die in jeder Studienrichtung verankert sein sollten. Denn hier werden die Entscheidungsträger von morgen ausgebildet“.

Die Ergebnisse der Studie sollten aber nicht in der Schublade verschwinden, sondern als Grundlage für die Entwicklung eines Europäischen Masterprogramms zum Thema „Nachhaltiges Wirtschaften“ dienen. Der Master wird in kooperativer Form in allen beteiligten Regionen angeboten. Südtirol ist mit dem Terra Institute und der Freien Universität Bozen nicht nur an der Entwicklung, sondern auch der späteren Umsetzung beteiligt.

Blog_Case

Tabelle: Kategorien von Schlüsselkompetenzen nach Wiek et al.

Weiterführende Informationen:

Johanna Bernhardt
j.bernhardt@terra-insitute.eu
www.case-ka.eu

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