28 Okt

Von der Natur inspiriert: Die blaue Wirtschaft

Günter Pauli, Gründer der Zero Emissions Research Initiative (ZERI) an der United Nations University in Tokio, schaffte ein globales Netzwerk für den Austausch von wissenschaftlichen Ideen, wie Innovationen zu mehr Nachhaltigkeit führen können.

Die hundert besten Ideen veröffentlichte er in seinem Buch The Blue Economy®. Im Sinne des Open Source Gedanken stehen diese Praxisbeispiele auch auf der Webseite des ZERI zur Verfügung.

Günter Pauli gilt als Begründer der Blue Economy®, in welcher es um Ideen und Leitlinien für eine weltweit blühende Wirtschaft geht, die Arbeitsplätze und Wohlstand für alle schafft. Die konkreten Ziele der blauen Wirtschaft sind die Schaffung von 100 Millionen Arbeitsplätze bis 2020 bei gleichzeitiger Verbesserung der wirtschaftlichen Rentabilität und eine Null-Emission und Null-Abfall-Wirtschaft bis 2050.

Die Blue Economy® baut dafür auf fünf von der Natur inspirierten Designprinzipien auf und auf 12 – ebenfalls der Natur nachempfundenen – Grundsätzen einer neuen Wirtschaft.[1] Die blaue Wirtschaft möchte zudem weltweit ein Miteinander in Kooperation und friedlicher Koexistenz fördern.

Das sind die fünf Design-Prinzipien der Blue Economy®
  1. Der Abfall der einen Spezies ist für eine andere Spezies aus einem anderen Königreich Nährstoff oder Lebensmittel.
  2. Was für den einen Organismus Gift ist, ist Nährstoff oder doch zumindest neutral für einen anderen Organismus aus einem anderen Königreich.
  3. Immer dann, wenn hochkomplexe Ökosysteme arbeiten, bleiben Viren inaktiv oder verschwinden sogar, ohne Schaden anzurichten, sobald sie zwei andere Königreiche durchlaufen.
  4. Ein System ist umso artenreicher je lokaler es ist, je produktiver umso resistenter.
  5. Jedes Mal, wenn Spezies aus fünf verschiedenen Königreichen in einem autopoetischen System leben und in Wechselbeziehungen agieren, können sie alle Stoffe bei Umgebungstemperatur und -druck integrieren und aufspalten.
Die 12 Grundsätze der Wirtschaft in einer Blue Economy®
  1. Zweck: Die Vereinigung von wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Zielen (Upsizing vs. Downsizing)
  2. Wachstum: Den Output bei geringerem Input vergrößern (Ektropy vs. Entropie)
  3. Produktivität: Die Gesamtproduktivität erhöhen, während Jobs geschaffen und Un-Werte beseitigt werden
  4. Cashflow: Der Wert des Gesamten ist mehr wert als die Summe ihrer Teile (Integrierter Cashflow vs. Konsolidierter Cashflow)
  5. Preis: Ermöglichen Sie es dem Preis für Kernprodukte, gegen Null zu gehen (Wertschöpfung vs. Produktmarge)
  6. Qualität: Bieten Sie bessere Qualität zu einem niedrigeren Preis an (Qualität vs. Quantität)
  7. Wettbewerbsfähigkeit: Setzen Sie sich aufgrund Ihrer Vorteile durch Vielfalt durch (Vorteile durch Vielfalt vs. Größenvorteile)
  8. Platz: Lokal gebündelte Möglichkeiten (konkurrieren Sie global und lokal)
  9. Innovation: Schneller und mehr mit geringerem Risiko (Innovation vs. Übereinstimmung)
  10. Diversifizierung: Variieren Sie innerhalb des Ökosystems (Diversifizierung vs. Ersatz)
  11. Management: Von der DNA zum Immunsystem (Zentrales Nervensystem vs. Immunsystem)
  12. Thermodynamik: Umgebungstemperatur und -druck/Führen Sie ein offenes System (Entropie vs. Ektropie)
Die Blue Economy® zusammengefasst:
  • Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg.
  • Der Müll des Einen ist der Rohstoff des Anderen.
  • Die Arbeitsweise der Natur ist auf die Wirtschaft
    übertragbar.
  • Alles verändert sich ständig.
  • Diversifikation erhöht die Stabilität.

 

2015 hat Günter Pauli mittels einer Videobotschaft an den Brixner Tagen der Nachhaltigkeit „Think more about“ mitgewirkt.

Mehr über die Blue Economy® erfahren:

The Blue Economy® auf YouTube: www.youtube.com/watch?v=1af08PSlaIs

Pauli, Gunter: The Blue Economy®. 10 years, 100 innovations, 100 million jobs, 2010

 

[1]  Vgl.http://www.zeri-germany.de/ueber-zeri/die-wissenschaft-von-zeri/

Günther Reifer
Günther Reifer

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