09 Feb

Unternehmenskultur und die Kölner Silvesternacht

Die Vorfälle in der Kölner Silvesternacht haben viele tief erschüttert. Mir fiel kürzlich die Ähnlichkeit der gesellschaftlichen Reaktionen mit einem Kulturentwicklungs­modell für Unternehmen auf, dem Stufenmodell von Frederic Laloux.

Laloux unterscheidet tribale (stammesartig organisierte), traditionelle, moderne und postmoderne Organisationen, die evolutionär aufeinander folgen:

laloux

Weiter entwickelte Stufen sind nicht irgendwie „besser“ als die vorhergehenden, aber in ihnen gelingt es uns, mit der zunehmenden Komplexität unserer Welt besser umzugehen.

Übertragen auf unsere Gesellschaft und ihren Umgang mit Migration könnte man folgendes zuordnen: Pegida-Anhänger sind in ihrer Angst eher tribal unterwegs. Wem vor allen Recht und Ordnung und damit z.B. die strikte Kontrolle der EU-Außengrenzen wichtig sind, könnte als traditionell bezeichnet werden. Wer die wirtschaftlichen Impulse durch die Migranten in unserer alternden Gesellschaft betont, hat wohl vor allem „moderne“ Ziele. Und wer auf Mitgefühl und auf Wertschätzung des individuellen Flüchtlings setzt, könnte am ehesten als postmodern bezeichnet werden.

Natürlich ist diese Zuordnung vereinfachend und holzschnittartig. Dabei sollte uns bewusst sein, dass jede Stufe die vorhergehenden als Basis hat, sie beinhaltet und wir leicht in sie zurückfallen können. Das konnte ich überraschend an mir selber bemerken. Ich würde mich in diesem Modell als eher „postmodern“ bezeichnen. Meine spontane Reaktion auf die Kölner Nacht war jedoch: „Oje, wenn unsere Frauen auf einmal nicht mehr vor denen sicher sind, dann müssen wir doch ….“. Diese Unterscheidung in „wir“ und „die“ und der archaische Beschützerimpuls für „unsere“ Frauen sind eindeutig tribal. Mir hilft diese Erkenntnis dabei, die radikalen Pegida-Menschen nicht mehr so zu missachten und als so bösartig anzusehen wie ich es zuvor tat. Mein Handeln bleibt gleichwohl werteorientiert.

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