29 Mrz

Ungeprüfte außerfinanzielle Berichterstattungen – Tür und Tor für Green Washing?

Eine inhaltliche Prüfpflicht der im Nachhaltigkeitsbericht dargestellten Aktivitäten ist weder in Deutschland, Italien noch in Österreich vorgesehen. Sie wird in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kreisen besonders engagiert diskutiert.

Denn geschickte Marketing- und Kommunikationsstrategien ermöglichen nur zu gut auch negative Folgen unternehmerischen Tuns „schön zu reden“. Sie lassen gerade Verbraucher in dem Glauben, der Wertschöpfungsprozess sei frei von negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Eine externe Prüfung durch sachverständige Instanzen könnte vor derartigen Täuschung bewahren, so die Befürworter einer Prüfpflicht. Doch sind wir einmal realistisch. Keine Unternehmensführung wird sich dazu verpflichten lassen die negativen Folgen unternehmerischen Handelns öffentlich darzulegen und damit letztendlich geschäftsschädigend zu handeln. Demzufolge wird eine Berichterstattung, extern geprüft oder nicht, immer das darstellen, was bereits nachhaltig und gut im Wertschöpfungsprozess gestaltet ist. Die Verbraucher sind somit gefordert ihre eigene Urteilsfähigkeit zu aktivieren. Dazu müssen Informationen eingeholt, bewertet und abgewogen werden. Bildung für nachhaltige Entwicklung wird gebraucht. Eine externe Prüfung, dargestellt durch ein Zertifikat, Testat oder Auditsiegel entlässt den Verbraucher aus dem Beurteilungsprozess. Das erspart ihm zugegebener Maßen viel Zeit und entlastet enorm in Kaufentscheidungsprozessen. Hält aber auch dumm, unfein ausgedrückt. Und ermächtigt Zertifizierungsgesellschaften die Beurteilung durchzuführen.  Dort sind sachverständige Menschen tätig, die von ihrer Arbeit leben wollen. Das ist gut und richtig so. Im Endeffekt werden aber auch die Kontrollkosten des berichterstattenden Unternehmens erhöht. Und damit auch die Preise für den Verbraucher.

Das bedeutet schlussendlich…

Hinter einer inhaltlichen Prüfpflicht durch externe Instanzen verbergen sich vielfältige Aus- und Rückwirkungen im Zusammenspiel der beteiligten Anspruchsgruppen. In globalen Wertschöpfungsprozessen kann eine inhaltliche Prüfpflicht sinnvoll sein, denn kein „Otto-Normal-Verbraucher“ ist in der Lage, diesen Prozess nachzuvollziehen. Dennoch muss er sich mit den Informationen bewusst auseinandersetzen. In regional tätigen Unternehmen, zu denen beispielsweise auch die genossenschaftlich organisierten Banken zählen, macht es mehr Sinn, in den Dialog mit den Anspruchsgruppen zu investieren. Bildung für Nachhaltige Entwicklung wird angeregt, fördert die kommunale Intelligenz und ermöglicht im Gemeinwesen lokale Gesellschaftsverträge zu entwickeln, die wiederum einen gemeinsam entworfenen Wohlstandsindex verorten lassen. Die Bürger*innen, ob in der Rolle als Mitglieder, Kunden, Mitarbeitende oder Gemeinwesensmitglied werden selber zu Nachhaltigkeitsexperten ermächtigt. Der Weg dahin ist noch offen und weit, ja das stimmt. Da keine externe Prüfpflicht gesetzt ist, ist der Gestaltungsweg auch noch offen und jedwede Kreativität möglich.

Prüfpflicht hin oder her, soviel steht fest: Der Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft wird nicht über die vieldiskutierte inhaltliche Prüfpflicht erfolgen, sondern durch Menschen in Unternehmen und Gesellschaften, die eine neue Verantwortung  ergreifen, um unsere lebenserhaltenden Grundlagen für ein gutes Leben aller zu sichern. Auf diesem Weg sind bereits vieler unserer Terra Kunden, Partner und Wegbegleiter. Ganz ohne Gesetzgebung und Prüfpflicht.

 

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