20 Mai

Terra Prinzip – Individuation und Gemeinschaft – ein Widerspruch?

Wenn ich individuell wachsen und mein volles Potential entfalten möchte, kann ich dann gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft sein? Kann eine Gemeinschaft bestehen und die Verbundenheit steigern, wenn die Teile der Gemeinschaft Selbstentfaltung anstreben?

Ja – man spricht von Individuation. Im Gegensatz zur Individualisierung.

Dualität

Als Menschen sind wir permanent der Dualität ausgesetzt, die darin besteht, dass wir uns als Individuen (lat. Individuum, das Unteilbare) wahrnehmen und zugleich als Teil einer oder mehrerer Gemeinschaften, das Evolutionsgesetz der Differenzierung und Integration wird offenbar. Dabei erleben wir uns in jeder dieser Gemeinschaften ganz unterschiedlich.

Einmal kommt mehr diese, ein andermal mehr jene Eigenschaft zur Geltung. Es macht den Reiz unterschiedlicher Gemeinschaften aus, sich jedes Mal neu zu entdecken.

Wer im Chor gesungen hat, Fußball im Verein gespielt hat oder in der Schule Theater gespielt hat, weiß wovon hier die Rede ist.

Was hat das für die Berufswelt zu bedeuten? Können wir uns am Arbeitsplatz als Teil einer Gemeinschaft erleben? Können wir unsere Individualität leben oder sie gar zum Nutzen aller einsetzen?

In einer Studie des Manager Magazins aus dem Jahre 2005 wurden Studenten nach Kriterien für ihre Berufswahl gefragt. Neben den interessanten Arbeitsinhalten (93%) kam die Entwicklung der Persönlichkeit mit 81% auf den zweiten Platz. Als wichtige Werte wurden Freiheit (93%), Bürger- und Menschenrechte (91%) und Selbstverwirklichung (90%) benannt.

Mehr Selbstorganisation

Die Arbeitsumgebung der Zukunft wird mehr Selbstorganisation ermöglichen, ja sogar benötigen.

Die in früheren Zeiten übliche Unterordnung der Person unter die Vorgaben des Unternehmens hatte den Rückzug ins Private zur Folge. Eine „9 bis 5“ Mentalität machte sich breit. Noch heute haben laut einer Gallup Umfrage aus dem Jahr 2014 rund 17 % aller Angestellten in Deutschland innerlich gekündigt. Gerade Führungskräfte tragen dafür ein gerütteltes Maß an Verantwortung, auch das ist in vielen Studien gut belegt.

Heute sind Firmen geradezu darauf angewiesen, dass die Mitarbeitenden ihre Talente entwickeln und zum Nutzen aller einsetzen. Partizipative Führung ermöglicht das, will aber gelernt und geübt sein. Ohne eine reife Persönlichkeit geht es nicht.

Als Vorbild kann Google gelten, der weltweit beliebteste Arbeitgeber, wo Mitarbeiter sagen „Working at Google is a transformational experience.“

Beruflich wächst und entwickelst Du Dich andauernd dadurch, dass Du die denkbar komplexesten Herausforderungen angehst und von Deinen Kollegen lernst. Persönlich bist Du umgeben von einer Art von Wissen, Talent und Leidenschaft, die Dich inspiriert, Dinge zu tun, die einen Unterschied machen – für Dich und die Gesellschaft als Ganzes”.

Wobei wir wieder bei Differenzierung und Integration wären, beim Individuum als Teil einer Gemeinschaft, die Individuation macht es möglich.

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