15 Apr

Terra Prinzip – Achtsamkeit

Achtsam zu sein ist sehr einfach und immer möglich: Wenn ich beispielsweise in die-sem Moment meinen Atem spüre. Dann bin ich im Hier und Jetzt, bin präsent und stär ker mit mir selbst verbunden. Ich erlebe das als entspannend und wie eine „Mini-Pause“ von der Geschäftigkeit des Alltags. Die Erfahrung von Achtsamkeit kann aber weit mehr sein.

Besonders unter Zeitdruck oder wenn uns jemand durch eine unsachliche Bemerkung „die Knöpfe drückt“ neigen wir dazu, sofort darauf zu reagieren. Dieses Reiz-Reaktions-Verhalten ist jedoch nicht immer zielführend. Durch Achtsamkeit (mindfulness) können wir solche auto matischen Reaktionen stoppen und dann bewusst entscheiden, was wir als nächstes tun. Wir sind in einer inneren Beobachterperspektive, was Neurowissenschaftler als Metakogni-tion bezeichnen: Wir nehmen wahr, dass gerade Gefühle auftauchen. Wir nehmen wahr, dass wir einen Gedanken haben und können entscheiden, ob wir ihn aussprechen oder lieber nicht. Dadurch sind wir nicht mehr unseren Gefühlen ausgeliefert und im Gedankenkarussell gefangen. Stattdessen nehmen wir sie als Phänomene wahr, genauso wie unseren Atem und können uns aus ihrem Griff lösen: Ich spüre meinen Ärger, aber ich bin nicht der Ärger.

Wenn das gelingt, erfolgt ein Quantensprung im Bewusstsein. Indem wir innehalten, bevor wir spontan reagieren, bekommen wir eine Wahlmöglichkeit und damit mehr Flexibilität in un-seren Reaktionen. Im Arbeitsalltag hilft es, sich nicht so schnell angegriffen zu fühlen, was z. B. Meetings deutlich entspannt und die Kommunikation auf eine andere Ebene bringt.

Achtsamkeit aufrecht zu erhalten kann trainiert werden. Neurowissenschaftliche Forschungen zeigen, dass mit solchen Achtsamkeitsübungen sogar das Gehirn selbst verändert wer-den kann. Es bilden sich neue Nervenzellen, die über neuronale Netzwerke die kognitiven und emotionalen Bereiche des Gehirns miteinander verknüpfen. Es gelingt zunehmend leichter, aus Stresssituationen auszusteigen und innere Ruhe zu gewinnen.

Diese Qualität des Bewusstseins fördert zudem Konzentration und Klarheit. Führungskräfte können Situationen vorurteilfreier wahrnehmen, beurteilen und darauf aufbauend Entschei-dungen treffen. Es ermöglicht darüber hinaus einen besseren Zugang zur Intuition, die im stressgetriebenen Reiz-Reaktionsmodus kaum verfügbar ist. Nicht zuletzt deshalb bieten Unternehmen wie Google, Intel, Nike oder SAP ihren MitarbeiterInnen Seminare an, in denen Achtsamkeit systematisch trainiert wird.

Rainer Paszek
Rainer Paszek

Letzte Artikel von Rainer Paszek (Alle anzeigen)

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail