31 Jul

Shell Chef fährt zukünftig Elektroauto – ist die Welt noch die gleiche?!

Seit vor einer Woche selbst der Vorstand von Royal Dutch Shell öffentlich das ab 2040 in Großbritannien wirksame Verbot von Verbrennungsmotoren gelobt hat, ist nahezu jedem klar: große Teile der Wirtschaft halten am in Paris definierten 2-Grad-Ziel fest und rechnen fest mit einem Zuendegehen des fossilen Zeitalters. Dementsprechend kommt es letzthin massiv zu einer strategischen Neuorientierung: Unternehmen setzen ihren Zukunftskurs voll auf eine nachhaltige Zukunft.  So haben erst kürzlich im Beisein von Prinz Charles und seiner International Sustainability Unit (ISU) dreizehn der weltweit größten Textilindustrien bekundet, bis 2025 ausschließlich, also zu 100%, biologisch produzierte Baumwolle zu verwenden. Damit kommen auf den weltweiten Biobaumwollanbau große positive Veränderungen zu.

NL_Juli2

http://www.pcfisu.org/sustainable-cotton

Nahezu jede Woche hören wir von Ankündigungen oder Präsentationen technischer Innovationen aus dem immer breiter werdenden Feld der erneuerbaren Energien: So wollen Bauern in Deutschland nun Strom aus Gülleoder Sprit aus Solarstrom produzieren.

Und in Australien ist es Forschern gelungen, mithilfe einer speziellen Tinte, Solarmodule über konventionelle Druckerpressen herzustellen.

In China wurde auf einem ehemaligen Kohleabbaugebiet der weltweit größte schwimmende Solarpark in Betrieb genommen.

Und obwohl Trump dem US-Kohlemarkt ein Wachstum von 8,3% beschert hat, so ist dennoch klar, wer langfristig gewinnen wird: gleichzeitig sind nämlich die Investitionen in erneuerbare Energien um 20% gestiegen.

NL_Juli3

In Großbritannien wurden noch vor 5 Jahren 40% des Stromes aus Kohle produziert. Im Vergleich dazu waren es in den ersten 6 Monaten 2017 gerade noch 2%.

So schnell kann wirtschaftlicher Wandel passieren, wenn der Damm erst mal gebrochen ist. Und die Mentalität, die Dämme einreißt und damit das Zeitalter eines nachhaltigen Wirtschaftens einläutet, dringt immer tiefer in die westlichen Gesellschaften ein.

Kleine, sogenannte, Tiny Houses, sind immer begehrter. Es gibt sie in allen Varianten, häufig bereits zu 100% wiederverwertbar und zum Teil in weniger als einer Stunde aufzubauen. In der Schweiz zeigt ein Architekt, dass energieautarkes Wohnen selbst im Mehrfamilienhaus schon möglich ist. Ein Dorf, das wirklich alles, was die Bewohner zum Leben brauchen, selbst produziert, ist beispielsweise in den Niederlanden bereits Realität.

Mag man Zukunftsforscher glauben, so wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren zumindest unternehmerisch kein Stein auf dem anderen bleiben. Vorboten dieses großen kulturellen Wandels sind Uber, Airbnb oder Amazon. Künstliche Intelligenz bringt Innovationen zehnmal schneller hervor als noch vor Jahren gedacht. Die ersten selbstfahrenden Autos werden wir vermutlich 2018 schon auf unseren Straßen sichten. Das Bild unserer Städte wird sich verändern, Staus und Verkehrsunfälle der Vergangenheit angehören und – so prognostizieren manche- der Bedarf nach einem eigenen Automobil bis zu 95% zurückgehen. Versicherungen sollen bis zu 100-mal günstiger werden. Hat das fossile Zeitalter zu einem massiven wirtschaftlich-industriellen Wachstum mit einem enormen Hunger nach Materialien und Energien geführt, so werden die Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien und der Mobilität ähnlich stark die Gesellschaft verändern.

Was, wenn als Autoproduzenten nur noch Tesla, Apple und Google übrigbleiben und die traditionellen Hersteller allesamt verschwinden? Was, wenn die extrem günstigen erneuerbaren Energien überall eine ausreichende Wasserverfügbarkeit sicherstellen, weil das Entsalzen des Meerwassers erschwinglich geworden ist? Was, wenn jeder Schuh und jedes Haus aus dem 3D-Printer kommt und dies – wie extreme Positionen unter den Zukunftsforschern heute prophezeien –  dazu führen könnte, dass 70-80% der heutigen Berufe überflüssig werden?

Aquaponic wird die Landwirtschaft verändern, der erste Weizen aus der Petrischale ist 2018 am Markt. Industriehanf ersetzt die Bäume als Rohstoff für die Papierindustrie, weil er 30-mal schneller wächst und auf derselben Fläche vergleichsweise 4-mal so viel Zellulose produziert. Etliche Startups bringen derzeit verschiedenste Insekten auf den Markt, die als hochwertige Eiweißproduzenten die Massentierhaltung ersetzen sollen. Die Lebenserwartung wird weiter steigen. Und weil die günstigsten Mobiltelefone in Afrika nur mehr 10 € kosten, haben Menschen über Apps weltweit und häufig kostenlos Zugang zu Information und Bildung.

Ob alle oder nur Ansätze dieser sich abzeichnenden, die Wirtschaft und Gesellschaft umwälzenden, Veränderungen auch tatsächlich Realität werden, sei dahingestellt. Doch eines ist gewiss: Die Welt wird nicht dieselbe bleiben.

Evelyn Oberleiter

Evelyn Oberleiter

Menschen und Organisationen in tiefgehenden Entwicklungsprozessen zu begleiten, die die Wahlfreiheit und die Achtsamkeit füreinander sowie für die Umwelt erhöhen, ist die Triebfeder ihres Handelns.

Evelyn Oberleiter, Mitbegründerin des Terra Institute, begleitet und berät seit über zehn Jahren Unternehmen und Organisationen unterschiedlichster Branchen und Größen. Den Fokus setzt sie dabei auf Organisationsentwicklung, Restrukturierungen, Unternehmenskulturprozesse, Implementierung effizienter und strukturierter Kommunikationsräume und –abläufe, sowie partizipative Führungsansätze. Evelyn Oberleiter verfügt über ein breites Wissen, ein schnelles Auffassungsvermögen, hohe Prozesskompetenz und Ergebnisorientierung, eine ausgedehnte Analyse- und Reflexionsfähigkeit, hohe Kommunikationskompetenz, sowie ein ausgeprägtes Systemdenken, Eigenschaften, die es ihr ermöglichen Gruppen wie auch Individuen sicher und langfristig durch Höhen und Tiefen zu navigieren. Neben ihrer Tätigkeit als Beraterin und Trainerin ist sie Geschäftsführerin des Terra Institute, der Terra Mater (Herstellung biologisch-dynamischer Erde) und der Terra Energy (Windkraft-Projekte).
Evelyn Oberleiter
Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail