14 Jul

Sharing Economy

  • Juli 14, 2015
  • von tma

Wirtschaft der Zusammenarbeit, des Teilens, Wirtschaft des „Wir“. Oder, in englischer Sprache, sharing economy, collaborative consumption, peer economy.

Viele Bezeichnungen, die mehr oder weniger dasselbe meinen: eine neue Wirtschaft, die durch Tauschen, Teilen, Vermieten, Leihen, neue Formen eines bewussteren Konsums basierend auf Wiederverwendung statt Einkauf, auf Zugang zu statt Besitz von Gütern, auf Vertrauen in das Unbekannte statt Misstrauen, darstellen. Dank der Wirtschaftskrise und neuer Technologien wird heutzutage in der Tat alles Mögliche innerhalb von Netzwerken getauscht: Vom Haus im Grünen, Fahrräder und Autos, über Bekleidung, bis hin zu Zeit und Kompetenzen. Digitale Plattformen haben insbesondere in den ersten Jahren der Krise zwischen 2008 und 2010 zugenommen und sind heute immer mehr verbreitet, sei es hinsichtlich Anzahl zur Verfügung gestellter Leistungen (1000 und mehr wurden bei den „collaborative“ Start Ups in den USA verzeichnet, mehr als 140 in Italien), als auch in der Anzahl der Nutzer, die von den Plattformen Gebrauch machen (39% der Erwachsenen in Amerika und 25% jener im Vereinigten Königreich haben erklärt, dass sie an den Angeboten der Tausch- und Teilbörsen aktiv teilnehmen).

Was in der Realität vor sich geht, ist tiefgreifender als das, was die Zahlen bisher zeigen. Durch kollaborative Dienstleistungen wird ein neues Dienstleistungsmodell bestätigt, welches, durch das direkte in-Kontakt-bringen von Personen, traditionelle Strukturen außer Kraft setzt. Dies geschieht durch die Generierung eines wirtschaftlichen Nutzens (durch den Verdienst oder die Ersparnis beim Verleih eigener Güter) und die Erzielung von Vorteilen für Umwelt und Gesellschaft (durch neu eröffnete Möglichkeiten der Begegnung) mit direkter Rückwirkung auf die Individuen, aber auch auf die Gemeinschaft. Zunehmend denken Träger der öffentlichen Verwaltung darüber nach, wie sie die kollaborativen Dienstleistungen in ihre Politik integrieren können. In den USA haben zum Beispiel 15 Bürgermeister der wichtigsten amerikanischen Städte ein Dokument unterschrieben, welches vorsieht, dass sie sich als erste Bürger bemühen, ihre Gemeinden „kollaborativer“ zu machen. Seoul hat ein Programm lanciert, mit dem es die erste Stadt des Teilens der Welt werden will, indem es die Unternehmen der Sharing Economy, die Entwicklung von 20 neuen Start Ups, die Wiederaufwertung von Plätzen usw. fördern will. In Italien hat beispielsweise die Stadt Mailand im vergangenen Dezember die Initative „Mailand sharing city“ vorangetrieben, ein Programm zur „Vergünstigung, Verbindung und Koordination“ von Initiativen der Wirtschaft des Teilens. Die Stadt Bologna hat im Rahmen der digitalen Agenda Initiativen der Wirtschaft des Teilens getestet und durch die Aktivierung eines neuen zivilgesellschaftliches Netzwerks namens „Iperbole“, eine Crowdfunding-Kampagne für die Erneuerung des Portico di San Luca gefördert,

Die administrativen Vorteile zeichnen sich deutlich ab: mehr gesellschaftlicher Zusammenhalt, mehr soziales Bewusstsein, mehr Umweltschutz, eine Vermögensumverteilung, neue Dienstleistungen und neue Arbeitsplätze. Neben dem Nutzenzuwachs tauchen allerdings auch einige Sorgen auf. Ein großer Teil an kollaborativen Dienstleistungen agiert innerhalb einer Grauzone, sei es gesetzlich, wie auch steuerrechtlich. In manchen Fällen richten sich die Plattformen nach alten und allgemeinen Normen, in anderen Fällen agieren sie sogar gegen existierende Normen. Dadurch wachsen weltweit Proteste von Seiten der Taxifahrer, welche diversen Dienstleistungen den Vorwurf machen, sie würden unehrliche Konkurrenz und unerlaubte Tätigkeiten fördern. Auch die Tourismuslobby zeigt sich besorgt über das Wachstum von Plattformen wie Airbnb. Lokale Verwaltungseinrichtungen zeigen sich dem Thema gegenüber mit unterschiedlichen Reaktionen. Manchmal wurde durch die Nachverfolgung einzelner Dienstleistungen interveniert, andere Male wurde, nach anfänglichen Aversionen, nach neuen Lösungen gesucht. Beide Verhaltensweisen lassen auf unterschiedliche Weise verschiedene Arten der Konfliktmediation erahnen und laden dazu ein über die Nicht-Umkehrbarkeit des Wandels zu reflektieren.

Marta Mainieri

Referentin „think more about“ Brixen, Mai 2015.

Marta Mainieri eMarta Mainieri ist Autorin des Buches “Collaboriamo!” ( “Lasst und zusammen Arbeiten!”). Sie beschäftigt sich mit der Wirtschaftsform der Sharing Economy und hat die Plattform Collaboriamo.org gegründet. Sie verfolgt damit das Ziel kollaborative Initiativen zu vereinen und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.  

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