23 Dez

Ressourcen müssen geschont werden!

Wir haben in Saus und Braus gelebt, daran gibt es keinen Zweifel mehr.

Wir haben zukünftige Generationen dabei außer Acht gelassen und an Peak Oil und Atomreaktorunfälle keinen Gedanken verschwendet. Heute ist alles anders. In den nächsten acht Jahren will die Europäische Union nur noch nachhaltig wachsen oder in ihren Worten „eine ressourceneffizientere, umweltfreundlichere und wettbewerbsfähigere Wirtschaft fördern“.[1] Sie möchte eine emissionsarme Wirtschaft aufbauen, die Ressourcen effizient und nachhaltig einsetzt. Sie möchte die Umwelt schützent, Emissionen verringern und die biologische Vielfalt erhalten.

Das Wort „effizient“ fällt gleich zweimal. Die EU fordert auch kohlenstoff- und emissionsarme Technologien, sowie ressourcenschonende Produktionsverfahren. Die Faktor-X Konzepte von Ernst Ulrich von Weizsäcker und Friedrich Schmidt-Bleek sind hierfür genau richtig. Sie verlangen eine Reduktion des Ressourcen- oder Materialverbrauchs unserer Wirtschaft um einen Faktor 4 bis 10, um auf ein nachhaltiges Niveau zu kommen.

Doch genauso wie nichts unendlich wachsen kann, können wir auch nicht unendlich effizienter werden. Auch wenn unser Auto weniger Benzin benötigt, so braucht er trotzdem welches. Und Stromeffizienz bedeutet nach wie vor die Abhängigkeit vom Stromnetz, das – im Großteil der Welt nur unzuverlässig vorhanden ist. Hinzu kommt eine interessante Beobachtung: Die Energiewirtschaft hat zwischen Energieverfügbarkeit und Sparverhalten einen deutlichen Reboundeffekt beobachtet. Hierbei geht es um systemische oder Verhaltensveränderungen, die bei der Einführung neuer oder Energie einsparenden Technologien auftreten. Nehmen wir zum Beispiel eine fünfprozentige Verbesserung des Benzinverbrauchs eines Autos. Verbrennt unser Auto 5% weniger Benzin, so verbrauchen wir  nur 2% weniger, , und zwar weil wir aufgrund dieser Ersparnis weitere Strecken zurücklegen oder häufiger fahren. Dies bedeutet einen 60prozentigen Reboundeffekt.

Sind Effizienzsteigerungen überhaupt die Lösung unserer Krise? Sind wir nicht schon effizient genug? Energieeffiziente Autos, Heizungen, Glühbirnen: sollen wir Komfort und Lebensfreude ganz opfern? Wir meinen, Effizienzsteigerungen können nur der Übergang zu einer intelligent nachhaltigen Wirtschaft sein, die es verstehen wird, endlos vorhandene Energiequellen wie Sonne und Wind anstatt umweltvergiftende und endliche Ressourcen wie Öl, Kohle und Mutterboden für sich arbeiten zu lassen.

Einige Experten verstehen unter Effizienzsteigerung eine Verbesserung der Wiederverwertbarkeit und sie fordern 100prozentiges Recycling von nicht biologisch abbaubaren Materialien. Würde dies unser Abfallproblem ein für alle Mal beseitigen?

Der Recyclingmythos

„Wenn wir sagen, wir werfen etwas weg, wo ist „weg“?“ Das gibt es gar nicht. „Weg“ ist tatsächlich dort, wo es um Themen der sozialen und der ökologisch nachhaltigen Gerechtigkeit geht. Jede Plastiktüte, Plastikbecher, Plastikmitnahmebehälter – das ist die Erdölindustrie in Afrika, Ecuador, Kolumbien, Alaska. Jede Papiertüte, Papierteller, Papierserviette – das ist ein Wald. Alles was wir als Müll oder Wegwerf bezeichnen, ist eine Form auszudrücken, dass es akzeptabel ist, unseren Planeten und seine Menschen wegzuwerfen. (…)

Julia Butterfly Hill, Schriftstellerin und Aktivistin

Täglich werfen die USA 137 Mio. Aluminumdosen „weg“
Täglich wirft Großbritannien 41.000 Handys „weg“
Täglich werfen die USA 27 Mio. Papiertüten „weg“
Täglich werfen die USA 600 Mio. Plastikflaschen „weg“ [2]

Recyceln ist ein weiteres Prinzip der grünen Wirtschaft, das uns gut auf die Auswirkungen unseres Verhaltens aufmerksam macht. Wer jede Woche tütenweise Plastik zum Container bringt, und wer als Unternehmen jedes Jahr steigende Müllabfuhrgebühren verrichten muss, ändert möglicherweise sein Verhalten. Tatsächlich aber liegen die Verwertungsquoten in Europa zwischen 1% in Griechenland bis über 95% in Dänemark, Schweden und der Schweiz. In Deutschland werden derzeit 84% kunststoffreicher Verbrauchsabfälle verwertet. [3] Auch stellt das Recyceln des Endverbrauchers nur 30% des Abfalls der Warenwirtschaft dar. 70% des Abfalls entsteht, bevor die Ware den Verbraucher überhaupt erreicht. Weiter muss der Qualitätsverlust der wiederverwerteten Produkte beachtet werden. Plastik wird maximal fünfmal verwendet bevor es endgültig „weg“ geworfen werden muss.

The linear economy

Recyceln ist die Müllreduzierungsmethode, die unsere Konsumgewohnheiten am wenigsten einschränkt. In der abgebildeten Hierarchie steht Recyceln lediglich auf der zweitschlechtesten Stufe. In einer intelligent-nachhaltigen Wirtschaft müssen wir aber nicht nur wiederverwenden und reduzieren, sondern komplett umdenken und neu designen. Dass der Output einer Produktionskette als Nährstoff einer anderen dient, ist ein guter Anfang. Aber dauerhaft muss Abfall vollständig aus jeder Wertschöpfungskette eliminiert werden.

Rethink und redesign

Nun denn: Wir haben Ihnen noch keine Antwort darauf gegeben, wie die bessere Alternative aussieht. Aus gutem Grund: es gibt sie zwar, die wirklich nachhaltigen Ansätze, allerdings sehen diese von Fall zu Fall, von Unternehmen zu Unternehmen ganz unterschiedlich aus. Wir beraten Sie gerne!

[1] Vgl. http://ec.europa.eu/europe2020/europe-2020-in-a-nutshell/priorities/sustainable-growth/index_de.htm (aufgerufen am 6. April 2013)

[2] Vgl. Kurzfilm „Ökologische Nachhaltigkeit“ des Symposiums Version 2.5 der Be the Change Initiative der Pachamama Alliance, 2012

[3] Vgl. PlasticsErope.org, The Compelling Facts About Plastics: An analysis of plastics production, demand and recovery for 2005 in Europe, 2007

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