24 Jul

Presencing – mit der Kraft der Zukunft gestalten.

Ein innovativer Weg in eine nachhaltige Wirtschaft. Unsere Zeit ist von Komplexität, von existentiellen Fragen vieler Unternehmen und von Krisensituationen geprägt. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind alte Denk- und Verhaltensmuster unzureichend. Eine höhere Qualität des Bewusstseins (Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Wollen) verbunden mit einem tieferen Zugang zu schöpferischer Kraft ist notwendig.

Es bedarf einer tieferen Quelle des Lernens. Diese Quelle hat der MIT-Professor C.O. Scharmer aufgespürt, die bahnbrechende „Theorie U“ und die innovative Methode „Presencing“ entwickelt.

Der U-Prozess beschäftigt sich mit der Frage „Wie kommt Neues in die Welt?“ In unserer sich immer stärker vernetzenden und damit auch immer komplexer und unvorhersehbar werdenden Welt verlagert sich der Ausgangspunkt für Innovation immer mehr vom Inneren der Organisationen nach außen: von Eigentümern, Vorständen und Geschäftsführern hin zu Kunden, Lieferanten, Wettbewerbern und zum dem Gemeinwesen. Umso wichtiger sich dem zu öffnen, es zu integrieren und als Quelle der Kraft anstatt als Bedrohung zu sehen. Der U-Prozess liefert hier einen erprobten Ansatz und stellt Werkzeuge zur Umsetzung zur Verfügung. Dabei kommt es mehr auf die innere Haltung an als auf eingesetzten Methoden: 

„Der Erfolg einer Intervention hängt von der inneren Verfassung des Intervenierenden ab.“ 

Ein Kernbegriff im U-Prozess ist „Aufmerksamkeit“. Aufmerksamkeit lässt sich in zwei unterschiedlichen Ausprägungen beschreiben: die aktive, fokussierende, zum direkten Handeln führende, und die eher rezeptive, sich öffnende, zu tiefem Verständnis führende Aufmerksamkeit. Erstere fragt: worauf richte ich den Scheinwerfer meiner Aufmerksamkeit? Welchem Teil der Welt widme ich meine ganze Konzentration und Energie? Was blende ich aus, um mich vollkommen einem bestimmten Aspekt zu widmen, ihn zu durchdringen und so zur Aktion zu kommen? Dies ist das Feld der Ziele, der Pläne und des Projektmanagements. Es ist uns bestens bekannt und Ausgangspunkt für effektives, zielgerichtetes Handeln.

Der U-Prozess widmet sich zunächst der zweiten Form der Aufmerksamkeit, öffnet sich also bewusst der Komplexität und Vieldeutigkeit der Umwelt und gelangt dann im nächsten Schritt zu ganz neuen Handlungsmöglichkeiten.

Im Workshop beschäftigen wir uns intensiv mit den Strukturen der Aufmerksamkeit und erkennen, wie stark sie durch die Art des Zuhörens und vor allem der dabei eingenommenen inneren Haltung geprägt werden. Wir erfahren die Unterschiede des oberflächlichen Reproduzierens, der harten Debatte, des empathischen Dialogs und des schöpferischen Zuhörens, „Presencing“ genannt. Der Begriff ist ein Kunstwort aus presence (Anwesenheit) und sensing (spüren), übersetzbar mit Gegenwärtigung, Anwesend werden.

  • Beim Reproduzieren tauschen wir höfliche Floskeln oder leere Phrasen aus. Wir sagen das, was gehört werden will. Das ist die Ebene des Small Talks und die innere Haltung meint „ja, ich weiß schon, worum es geht“.
  • In der Debatte richten wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Sachverhalt, wir positionieren uns und sagen, was wir denken. Wir wollen den anderen überzeugen. Unsere Gefühle spielen keine Rolle, denn es geht um Fakten.
  • Treten wir in einen echten Dialog mit unserem Gegenüber ein, dann erkunden wir empathisch und reflexiv nicht nur was er sagt, sondern versuchen ihn in seinem ganzen Wesen wahrzunehmen.
  • Im Presencing schließlich kommen wir in einen schöpferischen Fluss und es entsteht eine Art kollektiver Kreativität. Es sind häufig stille Momente in denen das Gespräch für eine Weile verstummen kann. Gleichzeitig entsteht ein Gefühl von Flow in dem alles wie von selbst zu geschehen scheint und wir uns für neue Möglichkeiten aus der Zukunft öffnen.
  • Nun kommt der zweite Teil: wir müssen aus dieser fast schon meditativen Haltung wieder ins Handeln kommen. Dazu werden die neuen Gedanken zunächst verdichtet, kristallisiert, und dann werden unmittelbar Prototypen geschaffen, die noch nicht perfekt sein müssen, aber wie Landebahnen das Neue einladen sich niederzulassen und zu etablieren. Schließlich folgt nach dem unmittelbaren Handeln eine integrative Phase, die die praktischen Ergebnisse überprüft und in die Alltagspraxis bringt.
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