21 Jan

Plastik im Meer

In Ihrem Grünbuch „Meereskenntnisse 2020 – Von der Kartierung des Meeresbodens bis zu ozeanologischen Prognosen“ hat die EU-Kommission im August 2012 folgende Aussage getroffen:

Die Ozeane und Meere rund um Europa bieten neue Möglichkeiten, um die Ziele der Strategie Europa 2020 zu verwirklichen. Damit dieses Potenzial ausgeschöpft wird, müssen wir den Unternehmen das Investieren erleichtern. Wir müssen die Kosten senken, Risiken mindern und Innovation anregen. Und wir müssen dafür sorgen, dass dieser Ausbau der blauen Wirtschaft zukunftsfähig ist. Die Ressourcen sind groß, aber nicht unbegrenzt. Um sicherzustellen, dass der Ausbau der blauen Wirtschaft tatsächlich und auf nachhaltige Weise stattfindet und dass Europas Meere einen guten Umweltzustand erreichen, müssen wir den Zustand der Meere heute und in der Vergangenheit kennen und wissen, wie er sich in Zukunft ändern könnte.“

Neben dem Bekenntnis, den Unternehmen das Investieren zu erleichtern, kommt die Kommission immerhin zu drei bemerkenswerten Erkenntnissen:

1. Die Ressourcen sind nicht unbegrenzt
2. Der Ausbau der „blauen Wirtschaft“ kann nur nachhaltig stattfinden
3. Europas Meere sollen eine guten Umweltzustand erreichen

Das impliziert für mich das Zugeständnis, dass Europas Meere keinen guten Umweltzustand haben. Seit einiger Zeit hat das Thema „Plastik im Meer“ eine breitere Öffentlichkeit erreicht. Auch die Überfischung der Weltmeere wird des Öfteren thematisiert. Dennoch gibt es weltweit betrachtet kaum wesentliche Verhaltensänderungen.

Blog Plastik Plastics consumption-de

Von den weltweit jährlich produzierten mehr als 200 Millionen Tonnen Kunststoffen gelangen nach unterschiedlichen Schätzungen sechs bis 26 Millionen Tonnen in die Meere, 70 Prozent davon sinken auf den Meeresboden.1

Plastik wird nicht abgebaut, sondern es zerfällt in immer kleinere Einheiten, die auf der Mikroebene etliche Probleme erzeugen. Sie binden Toxine und gelangen in die gesamte Nahrungskette. Seevögel, Schildkröten, Delphine ersticken, Fische, Muscheln usw. werden langsam angereichert mit modernen Giftverbindungen. Dabei gelangt Plastik heute nicht nur durch eine unkontrollierte oder bewusste Entsorgung in unsere Gewässer. Auch Flutwellen und Überschwemmungen spülen Müll vom Land direkt ins Meer. Des Weiteren gelangen Kunststoffpartikel heute auch über unser Haushaltsabwasser in die Gewässer. Produkte, die vor etlichen Jahren noch gar nicht auf dem Markt waren und deren Zusammensetzung den meisten Konsumenten unbekannt ist, sind unter anderem dafür verantwortlich.

Beispiele dafür sind Kunststoffpartikel in Peeling-Gels, „Crosspolymere“ die Dusch- und Haargels beigefügt werden, um optische Effekte zu erzeugen oder der Abrieb, der beim Waschvorgang erzeugt wird. Dr. Mark A. Browne vom University College Dublin fand heraus, dass synthetische Textilien während des Waschens bis zu 1900 Fasern pro Kleidungsstück verlieren. Deshalb ist der Einsatz von Kunststoffen generell zu hinterfragen. Oft lässt sich ihr Einsatz vermeiden oder aber durch naturverträgliche Stoffe ersetzen.

So können Peeling-Produkte beispielsweise mit Peelingkörpern aus Aprikosenkernen hergestellt werden und Textilien z.B. aus Lyocell. Diese Produkte sind im Regelfall biologisch abbaubar bzw. kompostierbar. Nicht immer lassen sich Kunststoffe durch Naturprodukte ersetzen. Durch Einsatz neuer Materialien kann zumindest die Langlebigkeit der Produkte erhöht, der CO2-Fußabdruck verringert und das Gewicht reduziert werden.

In der Möbel und Fahrzeugindustrie können beispielsweise Polyamid und PBT (Polybutylenterephthalat) durch Verbindungen von Polypropylen und Glasfasern ersetzt werden. Das reduziert das Gewicht, erhöht die Stabilität und verringert den CO2-Fußabdruck bis zu 65 %.

Unternehmen sind daher aufgefordert, den Einsatz von Kunststoffen in ihren Produkten zu überdenken. Zum einen ist ihr Einsatz generell zu hinterfragen, zum anderen sollten Kunststoffe, wo möglich, immer durch biologisch abbaubare Substanzen ersetzt werden.

Quellen & weitere Informationen:
1 Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Plastikm%C3%BCll_in_den_Ozeanen
WWF: http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell
ARTE-Dokumentation: http://www.youtube.com/watch?v=e7r9LYMKhoM
http://future.arte.tv/de/plastikmuell
Dokumentarfilm: Plastic Planet (2009), Regisseur Werner Boote

Und weitere Videos dazu:
http://plasticontrol.de/videos/

Blog Plastik ARD Plankton

In einem Test mit fluoreszierenden Plastikpartikeln landen diese im Körper von zoologischem Plankton, hier Ruderfußkrebschen.
http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/plastikflut-102.html

Artikel zum Thema:
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3186
http://www.kunststoff-magazin.de/Thermoplaste/ersatz-von-polyamid-senkt-kosten-und-umweltbelastung-hochleistungs-pp-in-der-moebelindustrie.htm

Bildquellen:
Titelbild: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de
Graphik: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3APlastics_consumption-de.svg

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