19 Feb

Nachhaltigkeitsberichte leicht gemacht

Verantwortungsbewusstsein aufzubringen gehört zu den wichtigsten Unternehmer-Tugenden, doch dies wird in Zeiten globaler Naturzerstörung und sozialer Verwerfungen zunehmend schwieriger.

Gesetzliche Berichtspflichten und die Information einer kritischen Öffentlichkeit sind zusätzliche Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. Wir zeigen auf, wie auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) diese Aufgaben in der Praxis problemlos meistern können.

Unternehmen sind nicht nur gefordert, Verantwortung zu übernehmen, sondern diese auch zu dokumentieren. Ob sie nun ihrer gesetzlichen Berichtspflicht nachkommen oder der kritischen Öffentlichkeit gegenübertreten – in jedem Fall kommen zusätzliche Aufgaben auf sie zu, für die sie häufig nicht optimal gerüstet sind. Gerade Kleinunternehmen (KMU) möchten einfache Wege gehen, um einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, sie müssen jedoch auch mit den internen Ressourcen ökonomisch umgehen. Neue Lösungsansätze zeigen, wie dies mit dem Einsatz eleganter software-basierter Datenerfassung und -Verarbeitung funktionieren kann.

TRANSPARENZ IST GEFORDERT

Unbestritten ist es heute die Summe aller wirtschaftlichen Aktivitäten einschließlich der Landwirtschaft, die den Planeten über seine Tragkraft hinaus belastet. Vor diesem Hintergrund sind sämtliche unternehmerischen Aktivitäten auf den Prüfstand zu stellen, sei es bei der Gewinnung und Verwendung von Energie und Rohstoffen sowie bei der Produktion von Gütern und deren Vermarktung, Nutzung und Weiter- oder Wiederverwendung. In diese Aufzählung gehört selbstverständlich auch die Berücksichtigung sozialer und gesellschaftlicher Belange, ebenso wie die Beteiligung von internen und externen Anspruchsgruppen (Stakeholder). Eine kritische Zivilgesellschaft, staatliche Stellen, Investoren, alle wollen sie genauer verstehen, was Unternehmen tun.

STANDARDISIERTE BERICHTSMÖGLICHKEITEN NUTZEN

Viele, jedoch bei weitem noch nicht genügend, Unternehmen haben begonnen, sich systematisch dieser Herausforderung zu stellen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von standardisierten und teilweise zertifizierbaren Berichtsmöglichkeiten, um die unternehmerischen Auswirkungen auf die Umwelt zu dokumentieren. Für das Energiemanagement existiert der Standard ISO 50001 und für das Umweltmanagement EMAS sowie ISO 14001. Vergleichbar mit ISO 26000 ist in Österreich ONR 192500, das im Gegensatz zu ISO 26000 zertifizierbar ist. In Deutschland müssen KMU noch bis zum 5. Dezember 2015 ein Energie-Audit nach DIN EN-16247-1 absolvieren, wenn sie weiterhin in den Genuss staatlicher Förderleistungen kommen wollen.

GESETZE WERDEN STRENGER

Um die gesamtgesellschaftliche Verantwortung von Organisationen transparent zu machen, haben sich internationale Standards der Global Reporting Initiative (GRI) und ISO 26000 am weitesten verbreitet. Sie werden, ebenso wie sogenannte Gemeinwohl-Bilanzen, auf freiwilliger Basis erstellt. Auch die EU macht mittlerweile Vorgaben für die Offenlegung nicht-finanzieller Kennzahlen. Im Jahr 2014 hat sie eine Direktive erlassen, die für Unternehmen ab einer Größe von mehr als 500 Mitarbeitern und mehr als 40 Mio. Euro Umsatz detaillierte Nachhaltigkeitsberichte vorschreibt. Diese Direktive befindet sich im Augenblick in Deutschland im Umsetzungsverfahren und soll zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. In der Werbemittelbranche wird diese Regelung nur die wenigsten Unternehmen treffen.

DEUTSCHER NACHHALTIGKEITSKODEX

In Anlehnung and ISO 26000 und GRI ist in Deutschland der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) entstanden. Vom Rat für nachhaltige Entwicklung erstellt, bietet er Unternehmen aller Branchen und Größen einen freiwilligen, einfachen Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Mit überschaubaren 20 Kodex-Kriterien kann man quantitativ und qualitativ beschreiben, wie die Führung des Unternehmens in puncto Nachhaltigkeit gelingt. Dies stellt eine einfache Art dar, grundlegende Daten für das Nachhaltigkeitsmanagement zu erheben. Der DNK präsentiert sich zudem als anschlussfähig an andere Berichtssysteme und erfüllt die kommende EU Berichtspflicht.

KERNTHEMEN DES NACHHALTIGKEITSBERICHTS

Wie kann nun ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt werden? Welche Daten und Fakten werden berichtet? Wie werden sie erfasst und gesammelt und wie entsteht daraus der Bericht? Ein Nachhaltigkeitsbericht nach ISO 26000 umfasst folgende sieben Kernthemen: Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, faire Betriebs- und Geschäftspraktiken, Konsumentenanliegen sowie Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft. Jedes dieser Kernthemen untergliedert sich in einzelne Handlungsfelder, insgesamt sind es 37. Wer diese Zahl zunächst abschreckend findet, kann insofern beruhigt sein, als es sich nach ISO 26000 um einen freiwillig erstellten Bericht handelt, in dem die Auswahl der Handlungsfelder Sache des Unternehmers bleibt. Er sollte begründen, warum die gewählten Handlungsfelder für sein Geschäft wesentlich sind. Dies wird auch als Wesentlichkeitsanalyse bezeichnet.

Organisationsführung

Die Organisationsführung ist zentral, weil sie alle anderen Bereiche verbindet und somit erst das nachhaltige Wirtschaften ermöglicht. Im Folgenden werden nur beispielhaft Handlungsfelder aus den Kernthemen „Menschenrechte, Umwelt und Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft“ herausgegriffen.

Menschenrechte

Hier geht es um Diskriminierung und schutzbedürftige Gruppen. Jegliche Art von Diskriminierung ist in Unternehmen selbstverständlich tabu – aber werden beispielsweise auch Menschen mit Behinderung beschäftigt und damit gezielt gefördert? Darüber lohnt es sich, zu berichten.

Umwelt

Energie- und Rohstoffverbrauch sind je nach Branche sehr unterschiedlich, eine effiziente Nutzung ist oberstes Gebot. In diesem Handlungsfeld können Unternehmer ihren Beitrag beschreiben, wie sie dem Klimawandel begegnen und die Organisation daran anpassen. Hierzu gehören auch die mittlerweile weit verbreiteten CO2-Bilanzen, Stichwort Carbon Footprint.

Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft

Eines der Handlungsfelder beschäftigt sich mit Investitionen zugunsten des Gemeinwohls. Traditionell meint dies die Unterstützung von kulturellen, kommunalen oder gemeinnützigen Aktivitäten durch Geld- oder Sachspenden. Im Sinne des Verfassungsauftrages des Grundgesetzes wäre jedoch zu erarbeiten, wie das unternehmerische Handeln direkt – ohne Umweg über Spenden – das Gemeinwohl fördert. Die Erörterung, wie diese Überlegung zum Ausgangspunkt jeglicher Unternehmensstrategie werden könnte, sei hier nur als Impuls zum Weiterdenken eingebracht. Die Einbindung von internen und externen Anspruchsgruppen entspricht dem Grundanliegen der Nachhaltigkeitsberichterstattung ganz grundsätzlich, weil dadurch nicht nur Transparenz geschaffen wird, sondern auch Impulse für Erneuerung gesetzt werden. Das abgegriffene Wort Innovation wurde hier bewusst vermieden.

SOFTWAREGESTÜTZTE DATENSAMMLUNG

Deutlich wird, dass alle Bereiche des Unternehmens Kennzahlen erfassen müssen. Seien es Auswertungen von Personalstatistiken, die Ermittlung des Energieverbrauchs in Produktion und Logistik, die Nachverfolgung von Lieferketten und Auditierung von Lieferanten oder auch die Messung von Müllaufkommen und dem Anteil im Kreislauf geführter Produkte. Bei der Vielzahl an Parametern liegt es nahe, dass das Daten-Handling mit einschlägiger Software unterstützt wird. Es gibt inzwischen etliche Anbieter, unter denen wir „360report“ wegen seiner Nutzerfreundlichkeit als Beispiel gewählt haben.

MODERNE LÖSUNGEN

In der Regel kann die Situation immer noch durch das folgende Bild beschrieben werden: Mittels zentraler Datensammlung und -verarbeitung entsteht in einem langwierigen Prozess ein Bericht. Moderne Lösungen sehen jedoch eher so aus:

In Schritt 1 werden Organisationsstruktur und Berichtsebenen (Zentrale, Standorte, Lieferanten) eingerichtet sowie Nutzerrechte und Zuständigkeiten an alle Beteiligten der dezentralen Datensammlung verteilt. Die Wesentlichkeitsanalyse wird softwaregestützt und basierend auf Branchenvergleichswerten aufgebaut. Abschließend werden die relevanten Indikatoren und Maßnahmen zur Berichterstattung definiert.

Schritt 2 umfasst die Datensammlung. Diese geschieht dezentral durch eine browserbasierte Software. Auch Indikatoren für weitere Berichtsstandards, zum Beispiel Energiedaten in EN16247 und ISO50001 sowie GRI G4 können eingebunden werden.

In Schritt 3 findet die Auswertung der Daten statt, wie beispielsweise die Berechnung der CO2-Emissionen. Die Analysen werden aufbereitet in Form von Grafiken und Tabellen und automatisch in Textform gebracht. Dieses Dokument kann dann noch weiter selbst bearbeitet und an das Corporate Design angepasst werden.

TRANSPARENZ FÖRDERT VERTRAUEN

Mut, Fleiß und Erfindungsgeist braucht ein Unternehmer nach wie vor, die Zukunft gehört aber sicher nur denjenigen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Je transparenter darüber berichtet wird, umso mehr wächst das Vertrauen von Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern, Kommunen, zivilen und staatlichen Organisationen. Und das war schon immer die beste Basis für erfolgreiche Geschäfte.

Quelle: PSI Journal Juli 2015

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