31 Jul

Interview mit Christof Bosch

Christof Bosch ist Sprecher der Familie Bosch in wichtigen Gremien der Robert Bosch GmbH, dem weltweit tätigen Autozulieferer mit ca. 380.000 Mitarbeitern. Im Juni 2015 hatten wir die Gelegenheit, ein Gespräch mit ihm zum Thema Nachhaltigkeit zu führen. Im Herbst wird das vollständige Interview im Terra-Buch „Sustainable Companies- Wie sich Unternehmen in Zukunft verhalten – erscheinen“. Hier ein Auszug aus dem Gespräch.

Hans-Ulrich Streit: (…wie sehen Sie den häufig zitierten Satz:) In einem begrenzten System wie der Erde kann es kein unbegrenztes Wachstum geben, zumindest nicht an materiellen Gütern.

CB: Das ist deswegen so ein schwieriges Thema, weil wir meinen, wir wüssten was Wachstum ist. Wenn wir eine bestimmte Vorstellung von Wachstum haben und mit Parametern wie dem Bruttoinlandsprodukt und dem Einsatz fossiler Ressourcen versehen, und wir dann sagen: „Ok, das wächst“ und fragen „Kann das immer wachsen?“ dann ist es klar: nein, das kann nicht immer wachsen. Wenn wir dagegen unter Wachstum das evolutionäre Prinzip verstehen, nämlich dass sich immer neue Formen entfalten, dass jeder Entfaltungsprozess etwas Expansives hat, dabei etwas Neues zur Erscheinung kommt und diese Bewegung auch etwas sich Ausdehnendes hat, aber es noch völlig offen ist, in welche Dimension diese Ausdehnung geschieht – wenn man Wachstum so versteht, wird es, glaube ich, nie eine Ende von Wachstum geben. Die Wachstumsdiskussion, wie wir sie im Moment typischerweise führen, leidet darunter, dass wir uns viel zu wenig fragen, was wir tatsächlich unter Wachstum verstehen. So wie ich persönlich Wachstum verstehe, ist Wachstum das dynamische Lebensprinzip und das kann man nicht abschalten.

HUS: Wo sehen Sie Ansätze für das andere, das evolutionäre Wachstum in unserer westlichen Industriegesellschaft?

CB: Man kann ja schon beobachten, dass diese Korrelation zwischen Energieverbrauch und technologischer Entwicklung sich stark gewandelt hat in den letzten Jahrzehnten. Das kann ein Anzeichnen davon sein. Es gibt heute zum Beispiel in der Mikroelektronik Entwicklungsprozesse, in denen der Materialeinsatz pro Leistung sehr stark zurückgeht. Das wird im Moment überkompensiert von dem Zuwachs an elektronischer Leistung, die wir abfragen. Aber der Zusammenhang zwischen Ressourcenverbrauch und Bereitstellung von Leistung in der Mikroelektronik ist völlig anders als im alten Wachstumsmodell. Führend ist der, der besonders wenig Material braucht, um die Leistung zu erzielen. Je miniaturisierter desto fortschrittlicher ist Mikroelektronik. Wenn wir ins rein Technologische schauen, können wir heute schon viele Prozesse beobachten, in denen eine Entkopplung stattfindet. Wachstum in der Mikroelektronik heißt etwas plakativ gesagt: Verminderung des Ressourceneinsatz.

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