19 Dez

Gute Arbeitszeitgestaltung – Merkmal einer gesundheitsfördernden Unternehmenskultur

Seit Jahren spüren Beschäftigte in Unternehmen, dass Termin- und Zeitdruck zunehmen. Beschleunigung ist die Signatur unserer Zeit geworden (vgl. Hartmut Rosa 2005).

Der Mensch wird dabei mehr und mehr zu einem Getriebenen und fühlt sich immer häufiger überfordert – das verstärkt bei den Beschäftigten unterschiedliche Formen von psychischer Belastung. Dieser Zustand bedroht zunehmend die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten und dies wiederum bedeutet für Unternehmen eine ernstzunehmende Gefahr.

Einer verträglichen Gestaltung der Arbeitszeit, die neben den betrieblichen Anforderungen auch die Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigt, kommt hier eine zentrale Bedeutung zu.

Die zukunftsfähige Arbeitszeitgestaltung in einer modernen Arbeitswelt rückt den Menschen demnach wieder stärker in den Vordergrund. Die Arbeitszeit als Schlüsselelement ist dabei im Zusammenspiel von Unternehmenszielen und Lebensqualität zu verstehen. Einen hohen Stellenwert nimmt dabei ein neu verstandenes Zeit- und Selbstmanagement ein, denn wenn der nötige Zeitrahmen einer Arbeit zu eng und unklar gefasst ist, trägt dies stark zur Erhöhung von psychischem Stress bei.

Wir kennen alle das Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, wenn wir alles um uns herum vergessen, Zeit und Raum plötzlich eins werden. Unser Fühlen, unser Wollen und unser Denken sind in völliger Übereinstimmung. Mihaly Csikszentmihalyi hat dafür den Begriff „flow“ geprägt.

Bei einer genaueren Analyse der „flow-Erfahrung“ fand Csikszentmihalyi heraus, dass nicht vor allem die Art der Tätigkeit, sondern bestimmte Begleitaspekte der jeweiligen Tätigkeit „flow“ ermöglichen und zwar folgende:

  • Wir sind / fühlen uns der Aktivität gewachsen.
    • Wir spüren eine Herausforderung (aber nicht Überforderung) und diese passt mit den eigenen Fähigkeiten zusammen.
  • Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.
    • Wir konzentrieren uns vollständig, und sind bzw. lassen uns nicht ablenken. Wir hinterfragen die Aktivität nicht. Gleichzeitig (oder auch dadurch) sind die Sorgen des Alltags aus dem Bewusstsein verdrängt.
  • Die Aktivität hat deutliche Ziele.
    • Wir wissen, was wir tun müssen, um das Ziel zu erreichen.
  • Über Aktivität erhalten wir unmittelbare Rückmeldung.
    • Wir wissen oder erfahren, ob wir etwas richtig oder falsch gemacht haben.
  • Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unsere Aktivität.
    • Dabei ist es nicht wichtig, ob wir tatsächlich die Kontrolle haben ‐ unser Gefühl für die Kontrolle ist entscheidend.
  • Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert.
    • Wir haben das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht.
  • In der Tätigkeit ist Entwicklung möglich.
    • Für dauerhafte Zufriedenheit spielen Wachstum bzw. Weiterentwicklung eine wesentliche Rolle.

Die Arbeit selbst kann damit eine Ressource für unsere Gesundheit sein, in der wir unsere Fähigkeiten und Potentiale ausschöpfen und positiv auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt reagieren.

Aus Sicht der Salutogenese sind die wesentlichen Schutzfaktoren für mehr Gesundheit in der Arbeitswelt dann gegeben, wenn:

  • Mitarbeiter*innen die an sie gestellten Aufgabe verstehen, diese lösen können und als sinnvoll empfinden.
  • Wenn die Tätigkeit und das betriebliche Umfeld überblickbar sind.
  • Wenn die notwendigen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten bei Bedarf zur Verfügung stehen.
  • Wenn die zu lösende Arbeit möglichst vollständig und ganzheitlich im Prozess erlebt wird.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Orientierungslosigkeit, Überforderungs- und Sinnlosigkeitserlebnisse die Beschäftigten krankmachen.

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