12 Aug

Vom Südtiroler Landtag beschlossen: Die Gemeinwohl-Ökonomie nimmt in Südtirol immer konkretere Formen an

Beim ersten Think more about 2011 präsentierte Christian Felber in Südtirol erstmals die Gemeinwohl-Ökonomie als neuen Wirtschaftsansatz, wonach solche Unternehmen besonders gefördert werden sollen, die einen möglichst großen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Seitdem ist viel passiert: Motiviert vom Gemeinwohl-Verständnis „guter“ Wirtschaft haben erste Pionier-Unternehmer noch 2011 ihre erste Gemeinwohlbilanz erstellt. Und in den Jahren danach wurden es immer mehr, sodass heute in Südtirol bereits sehr viele Unternehmen und auch erste Gemeinden die Bewegung aktiv unterstützen und sich mit diesem Denkmodell auseinandersetzen.

Schön auch, dass erste Schulen und eine Gruppe von Lehrern sich zwischenzeitlich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen und es in den Lehrplan mit einbauen – ebenfalls die Freie Universität Bozen und wichtige Verbände des Landes. Vor kurzem wurde vom Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie auch eine Bilanz für Familien ausgearbeitet, sodass auch diese sich nach diesen Kriterien bewerten und austauschen können. Details findet man auf der Web-Site: www.economia-del-bene-comune.it

Ziel des gemeinwohl-orientierten Wirtschaftstreibens ist die Schaffung hoher Lebensqualität für alle Lebewesen,unterstützt durch ein gemeinwohl-orientiertes Wirtschaftssystem. Menschenwürde, globale Fairness und Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei wesentliche Elemente. Profit und Wachstum sind auch in der Gemeinwohlökonomie erlaubt und erwünscht, nur eben nicht einziges und primäres Ziel der Ökonomie.

TitelbildEin wichtiger Meilenstein folgte dann im Dezember 2014 durch den Südtiroler Landtag: die Abgeordneten Dieter Steger (SVP), Brigitte Foppa (Grüne) und Paul Köllensperger (Movimento 5 stelle) brachten im Rahmen der Haushaltsdebatte einen Beschlussantrag ein, der die Gemeinwohlökonomie im Land fördern soll. Einstimmig wurde die Landesregierung verpflichtet folgende Punkte umzusetzen:

  1. die aktuellen Förderungsrichtlinien mit diesem Gedankengut zu ergänzen;
  2. bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen gemeinwohlorientierte Unternehmen zu bevorzugen, soweit mit EU-Richtlinien kompatibel;
  3. gemeinwohlorientierte Gemeinden bevorzugt zu fördern.

Eine derartige Unterstützung könnte somit in Zukunft über besondere Förderungen, Beiträge oder Gemeinwohl-Kriterien bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen zustande kommen. „So könnten die Besonderheiten unseres Landes, viele Kleinst- und Kleinbetriebe, ein dezentrales Wirtschaftssystem, starkes ehrenamtliches Engagement, regionale Kreisläufe gestärkt und ausgebaut werden“, so Steger.

Es tut sich also viel in Südtirol, sodass zwischenzeitlich auch das Land Salzburg einen ähnlichen Weg gehen möchte und Südtirol dort als Benchmark fungiert. Alle Interessierte können sich gern einbringen oder zumindest Mitglied im Verein werden (Mitgliedsbeitrag 10 €) – Arbeit gibt es genug.

Günther Reifer
Günther Reifer

Letzte Artikel von Günther Reifer (Alle anzeigen)

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail