12 Dez

Energieverbrauch reduzieren – ein Plädoyer für den Mut zum Handeln

  • Dezember 12, 2014
  • von tma

Im Haushalt wird in der Schweiz knapp 30 Prozent der gesamten Energie verbraucht, ein Drittel davon, das sind 10% des Gesamtenergieverbrauchs, lässt sich durch effizienten Umgang mit Energie sparen.

Die meisten Geräte im Haushalt werden nur wenige Stunden pro Tag genutzt, den Rest verbringen sie im Standby und verbrauchen dabei kumuliert oft mehr Strom als durch die aktive Nutzung.

Eine ganz neue Publikation (more data less energy) der IEA (international Energy Agency), hat sich intensiv mit der Standby – Thematik von IT-Infrastruktur auseinandergesetzt. Daraus ein interessantes Beispiel: Der weltweite Strombedarf von Spielkonsolen wird bis 2015 auf mehr als 45 TWh beziffert, per 2020 auf 70 TWh, davon 80% ! nur um Netzwerk-Konnektivität zu erhalten, also nicht um zu spielen. Das entspricht ungefähr dem Energieverbrauch der ganzen Schweiz Mitte der 60er Jahre oder einem Drittel des heutigen Energieendverbrauchs der Schweiz. Hier braucht es einerseits technische und regulatorische Lösungen, die den Standby-Konsum minimieren, andererseits aber auch unser aller Handeln durch die Nutzung von Stromschienen und das konsequente Kaufen von energieeffizienten und standby-optimierten Geräten. Dies gilt für uns als Privatpersonen, aber in noch viel höherem Masse auch für Unternehmen.

Aber es geht nicht nur um Strom, zwei Drittel des gesamten Energiebedarfs im Haushalt werden fürs Heizen eingesetzt. Wer effizient heizt, spart nicht nur Energie, sondern auch Geld: und zwar so viel, dass er jedes sechste Jahr gratis heizen kann. Ähnlich gross ist das Einsparpotential bei der Mobilität: Carsharing, öffentlicher Verkehr und Fahrrad statt Privatauto, effiziente

Fahrzeuge, effizientes Fahrverhalten, das sind die Schlüsselbegriffe für einen reduzierten Energiekonsum für unser Mobilitätsverhalten.

Energiesparen im täglichen Leben ist wirklich einfach: LED einschrauben, Geräte nicht im Standby lassen, vernünftig lüften, Geräte der höchsten Effizienzklasse kaufen, duschen statt baden. Die Mehrzahl dieser Massnahmen liegen in unser aller Hände. Kein Warten auf neue Technologie, keine grossen monetären oder technischen Hindernisse, keine Nachteile in Kauf zu nehmen. Und trotzdem tun wir es noch nicht oder nicht konsequent. Zwischen Können und Wollen scheint ein fast unüberwindbarer Graben zu sein.

Was braucht es also, damit energiebewusstes Handeln zur Normalität wird? Wie verändert sich das Verhalten einer ganzen Gesellschaft? Was muss geschehen, damit energiebewusstes Handeln so normal wird, wie es heute normal ist, dass in Restaurants nicht mehr geraucht wird? Manche sagen, wir werden nur bewusster mit Energie umgehen, wenn die Energie so teuer ist, dass wir sparen „müssen“. Andere rufen nach gesetzlichen Vorschriften und Regulationen. Ich selbst glaube, dass wir es in der Hand haben, uns selbstbestimmt und verantwortungsvoll für einen nachhaltigeren Umgang mit Energie zu entscheiden. Dies ist ein Plädoyer für das „Tun“. Es ist ein Plädoyer dafür, unsere eigene Trägheit zu überwinden und konsequent energieeffizient zu handeln, anstatt nur energieeffizient zu denken. Ich freue mich darauf, in einer Welt zu leben, wo Energie- und Ressourcen effizientes Handeln zum guten Ton gehört.

Daniela Bomatter

Referentin „think more about“ Schweiz, Oktober 2014

Daniela Bomatter

Zur Autorin

Daniela Bomatter ist Wirtschaftsinformatikerin und hält einen MBA der Universität Liverpool. Ihr beruflicher Werdegang führte sie über die Marktforschung, zu Mobility , wo sie für 5 Jahre CEO von Mobility International, dem IT-Arm der Mobility Genossenschaft, war. Seit einem Jahr ist sie Geschäftsführerin von EnergieSchweiz, das, eingebettet ins Bundesamt für Energie, die zentrale Plattform des Bundes für Energieeffizienz und erneuerbare Energien ist. EnergieSchweiz finanziert und begleitet Projekte von Partnern aus dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft, die die Massnahmen gemäss dem «Detailkonzept EnergieSchweiz 2013-2020» unterstützen. In Ihrer Freizeit engagiert sie sich als COO für eine NPO, die unter anderem das „evolve Magazin für Bewusstsein und Kultur“ herausgibt und interessiert sich in dieser Funktion auch speziell für den gesellschaftlichen Bewusstseinswandel, der für wirkliche Nachhaltigkeit notwendig ist.

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