17 Aug

Die Kunst der „Anforderungs-Bewältigungs-Balance“ – praktische Tools für mehr Stimmigkeit in Arbeit und Alltag.

  • August 17, 2015
  • von tma
Die Anforderungsspirale …

Die Anforderungen in der modernen Arbeitswelt und Gesellschaft steigen beständig – und damit auch der Stress. Das gilt für Führungskräfte sowie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Doch wie lassen sich vielfältige Anforderungen erfolgreich bewältigen? Was gibt es für aussagekräftige Erkenntnisse aus der Gesundheits- und Stressforschung dafür? Sind die klassischen Empfehlungen zur Stressbewältigung heute überhaupt noch gültig? Wie lassen sich diese Einsichten mit einfachen und wirksamen Werkzeugen im Alltag umsetzen? Mit diesen Fragen werden wir uns in dem sehr praxisorientierten Workshop genauer beschäftigen – und konkrete Antworten dafür erarbeiten.

Stress – zwischen Modeerscheinung und Realität …

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, dies ist kein Angebot für „Die richtige Work-Life-Balance“ – und auch nicht für „Das perfekte Zeitmanagement“. Warum nicht? Ganz einfach, weil das ganze „Managementbrimbamborium“ mit all seinen Versprechungen für die optimale Stressbewältigung nur eines verursacht: noch mehr Stress. Zudem erscheint die Trennung von Arbeit und Leben („Work-Life-Balance“) wenig sinnvoll: Leben wir etwa nicht, wenn wir arbeiten? Arbeiten wir nicht, wenn wir leben? Modische Begriffe werden vielleicht dem verkaufsorientiertem Denken von Marketingstrategen gerecht, die komplexen Zusammenhänge von Stress und Gesundheit bringen sie nicht zum Ausdruck. Soll das bedeuten, dass Angebote zur Stressbewältigung überflüssig sind? Nein, ganz im Gegenteil! Stress gilt als das Gesundheitsproblem Nr. 1 im 21. Jahrhundert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Stress daher als eine der größten Gefahren für das menschliche Wohlergehen ein.

Der „Abschied“ vom Zeitmanagement …

Die Bedingungen der modernen Arbeitswelt haben mittlerweile Verhaltensweisen der Beschäftigten hervorgebracht, die mit herkömmlichen Stressmanagementangeboten nicht mehr angemessen begleitet werden können. Im Gegenteil drohen konventionelle Maßnahmen immer mehr, von den Beschäftigten selbst, in gesundheitsgefährdender Form instrumentalisiert zu werden – um beispielsweise mit einem professionellen Zeitmanagement noch mehr in noch weniger Zeit zu schaffen!

Stress im 21. Jahrhundert …

Viele Erkenntnisse auf denen die gängigen Stressbewältigungszugänge beruhen, stammen noch aus der Ära industrieller Produktion. Wir haben in den letzten Jahrzehnten allerdings einen Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft bzw. Wissensgesellschaft vollzogen. Damit einher gehen völlig neue Stressanforderungen, beispielsweise durch moderne Steuerungsmethoden im Management. Eine aktuelle Entwicklung in diesem Bereich ist die Zunahme von Formen „interessierter Selbstgefährdung“, einem Verhalten im Arbeitskontext, bei dem man sich selbst zusieht, wie das persönliche berufliche Handeln die eigene Gesundheit gefährdet – ohne etwas daran zu verändern. Vor allem durch den Übergang von einer direkten zu einer indirekten Steuerung der Beschäftigten werden solche Formen der Selbstgefährdung gefördert, etwa durch das Führen mit Zielvereinbarungen, Übersetzen von Arbeitsergebnissen in Kennzahlen oder Fallpauschalsystemen. Im Zentrum steht dabei vor allem die Ambivalenz von großen Handlungsspielräumen auf der einen Seite, bei gleichzeitig erhöhten psychischen Belastungen und Beanspruchungen auf der anderen Seite. Herkömmliche Konzepte von Autonomie und Selbststeuerung bzw. Selbstmanagement – als ausschließlich positiv belegte Fertigkeiten – stoßen damit deutlich an Grenzen. Vielmehr braucht es neue Formen der „Selbstsorge“, die einem helfen, individuell stimmige Lösungen für die Bewältigung der komplexen Anforderungen in Arbeit und Alltag zu entwickeln.

Thomas Michael Haug

Thomas_Michael_Haug_eThomas Michael Haug ist Impulsgeber und Gestalter für die Entwicklung von gesundheitsfördernden Vertrauensstrukturen – in sich selbst und in Unternehmen. Als Unternehmensberater analysiert er Arbeits- sowie Führungsprozesse im Hinblick auf ihre individuellen Stressbeanspruchungen und begleitet Führungskräfte und Teams beim nachhaltigen Aufbau einer als stimmig erlebten Kooperationskultur. Sein Zugang zur Gesundheitsförderung basiert auf dem Stressmodell der Salutogenese.

 

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail