17 Dez

Cradle to Cradle®-Design für Qualität und Sicherheit von Produkten und Prozessen

  • Dezember 17, 2014
  • von tma

Die Idee hinter Cradle to Cradle®-Design

Cradle to Cradle®-Design ermöglicht kreislauffähige Produkte, die wirtschaftlich erfolgreich, förderlich für die Umwelt und gesund für den Verbraucher sind. Ihr innovatives Design geht über Form und Funktionalität hinaus: Cradle to Cradle®-Produkte werden mit besonderem Augenmerk auf ihre Inhaltsstoffe entwickelt und bieten damit eine neue Dimension von Produktqualität und Sicherheit. Dadurch sind sie herkömmlichen Produkten wirtschaftlich, ökologisch und sozial überlegen.

Es gibt zwei Kategorien von Cradle to Cradle®-Produkten: sie können entweder als Verbrauchsgüter in biologischen Kreisläufen geführt werden, oder lassen sich als Gebrauchsgüter in technischen Kreisläufen wiederverwerten.

Verbrauchsgüter sind Naturfasern, Kosmetikprodukte, Waschmittel und ähnliches. Sie sind so konzipiert, dass sie in einem biologischen Kreislauf immer wieder verwendet werden können. Sie werden zu biologischen Nährstoffen zersetzt und fördern biologische Systeme, zum Beispiel das Wachstum von Pflanzen. Aus den nachwachsenden Rohstoffen können dann neue Produkte hergestellt werden.

Gebrauchsgüter wie Fernsehgeräte, Autos, synthetische Fasern etc. können nach Erfüllung ihrer Funktion zu sogenannten technischen Nährstoffen zerlegt werden. Diese ermöglichen die Produktion neuer Gebrauchsgüter. Dem Benutzer wird letztendlich nur die entsprechende Dienstleistung, z.B. der Fernsehempfang, zur Verfügung gestellt. Die Materialien bleiben

Eigentum des Herstellers, der sie über Rücknahme- und Recyclingsysteme weiter im technischen Kreislauf behält.

Cradle to Cradle®-Design macht den heutigen Abfallbegriff überflüssig: alle Gegenstände, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, können als Nährstoffe für biologische oder technische Kreisläufe dienen. Dieses Designkonzept soll den Weg zu einem neuen Wirtschaftssystem bereiten, in dem Produkte und Prozesse nicht reglementiert werden müssen, um die Umwelt weniger zu schädigen. Im Gegenteil, mit ihrer positiven Wirkung auf Mensch und Umwelt sollen Cradle to Cradle®-Produkte sogar einen möglichst großen „ökologischen Fußabdruck“ hinterlassen.

Die Umsetzung von Cradle to Cradle®-Design

Cradle to Cradle®-Design beschränkt sich nicht nur auf das Produkt selbst, sondern betrachtet die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Verbleib des Produkts. Dabei werden alle Input-Materialien analysiert und Empfehlungen hinsichtlich biologischer oder technischer Kreislauffähigkeit erarbeitet. Durch Kommunikation mit allen Akteuren entlang der Warenkette können die Herstellungsprozesse wirtschaftlich optimiert werden. Am Ende steht die Qualität und Sicherheit des Produkts. Die EPEA Internationale Umweltforschung GmbH unterstützt Firmen darin, diese Vorteile mit Marketingaussagen dem Endkunden zu vermitteln.

Die Anwendung von Cradle to Cradle®-Design bietet auch für das Management im Unternehmen große Vorteile. Das Konzept macht Risiko-, Einkaufs- und Prozessmanagement transparenter, optimiert Umwelt- und „Abfall“-kosten, und ermöglicht auch, soziale Aspekte entlang der Produktionskette einschätzbarer zu machen. Cradle to Cradle®-Design verbessert dadurch die Wirtschaftlichkeit im gesamten Wertschöpfungszyklus.

Cradle to Cradle®-Design ermöglicht eine Industriegesellschaft, die ihre Produktionsverfahren nach dem Modell der Natur gestaltet. Sie kennt keinen Abfall, Verzicht oder Einschränkungen, sondern setzt einfach die richtigen Materialien zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ein.

Die Natur arbeitet ständig nach diesem Prinzip: blühende Bäume im Frühling sind scheinbar verschwenderisch, denn nur aus wenigen Blüten werden neue Bäume entstehen. Doch alle Blüten, die nicht der Vermehrung dienen, fallen zu Boden und werden zu Nährstoffen für andere Organismen – eine geradezu nützliche Verschwendung.

Michael Braungart

Referent „think more about“ Schweiz, Oktober 2014

MichaelBraungart

Michael Braungart ist Gründer von EPEA, ein internationales Umweltforschungs- und Beratungsinstitut (HH). Er lehrt seit 1994 an der Leuphana Universität Lüneburg und hat dort die Professur Cradle to Cradle® & Öko-Effektivität inne. Zudem hält er die Lehrstühle für Cradle to
Cradle® Innovation & Qualität an der Rotterdam School of Management (RSM) und für Cradle to Cradle® Design an der Universität Twente in Enschede. Zusammen mit William McDonough verfasste er das Buch „Einfach intelligent produzieren“ (Originaltitel „Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things“). Darauf aufbauend erschien 2008 „Die nächste industrielle Revolution: Die Cradle-to-Cradle-Community“.

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