16 Nov

Changemanagement und Gesundheit

Veränderungen sind zum ständigen Begleiter moderner Unternehmen geworden. Dabei kann die größere Arbeitsintensität oder die stärkere psychische Belastung durch ein Veränderungsvorhaben zu Lasten der Gesundheit gehen. Im letzten „Stressreport“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wurden über 20.000 beteiligte Arbeitnehmer gefragt, ob es in ihrem Unternehmen im vergangenen Jahr eine Umstrukturierung gegeben hatte.

Gleichzeitig wurde wie in den früheren. Untersuchungen auch danach gefragt, welche Krankheiten oder Beschwerden im Laufe des letzten Jahres aufgetreten waren. Hier aufgelistet die Daten für einige Krankheitsbilder.

Blog_Uli

Rot: Prozentsatz der Mitarbeiter in Unternehmen mit Umstrukturierung, die im vergangenen Jahr dieses Symptom hatten blau: entsprechend Unternehmen ohne Umstrukturierung

Das Ergebnis ist besorgniserregend: die ohnehin schon hohen Zahlen steigen in Unternehmen mit Umstrukturierungen deutlich an. Zum Beispiel fühlten sich in Unternehmen ohne Umstrukturierung 18 % der Mitarbeiter im vergangenen Jahr zeitweise niedergeschlagen, in Unternehmen mit Umstrukturierung waren es wesentlich mehr, nämlich 27 %. Die genannten Beschwerden lassen sich mühelos den Krankheitsbildern Burnout oder Depression zuordnen.

Bei diesen dramatischen Daten ist es kein Wunder, dass die Veränderungsmüdigkeit in den Unternehmen steigt. Aus gutem Grund: bei diesen möglichen Auswirkungen zieht man sich lieber zurück als sich zu engagieren und Gefahr zu laufen, krank zu werden.

Die Kernfrage für ein nachhaltiges Changemanagement muss deshalb lauten: Wie können wir das aktuelle Projekt zum Erfolg führen und gleichzeitig den Boden für zukünftige Veränderungen bereiten? Dieser Punkt wird oft zu wenig beachtet. Er stellt jedoch das Wesen der Nachhaltigkeit bei organisationalen Veränderungen dar. Wenn sich alle Energie auf das aktuelle Projekt richtet, ist die Gefahr eines Pyrrhus-Sieges groß. Die Veränderung wird mit großem Aufwand durchgeführt und vielleicht auch zum Erfolg gebracht, hinterlässt indes eine erschöpfte Organisation und kranke Mitarbeiter. Veränderungsmüdigkeit breitet sich aus und steht so den zukünftigen Anforderungen im Weg. Eine Veränderung darf deshalb nicht als singuläres Ereignis betrachtet werden. Erst die Fähigkeit zur Verknüpfung des aktuellen Projektes mit einer langfristigen Perspektive ist Zeichen für die Veränderungskompetenz einer Organisation.

Veränderungskompetenz ist eine Grundbedingung für den Weg in ein nachhaltiges Unternehmen. Das ist zugleich eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Seite der Nachricht: Veränderungskompetenz ist nicht leicht zu erlangen. Das ist ein längerer Prozess. Die gute Seite der Nachricht: Veränderungskompetenz ist immer eine individuelle Fähigkeit eines bestimmten Unternehmens. Die spezifische Ausgestaltung des Umgangs mit Veränderungen ist nicht von anderen Unternehmen kopierbar. Das veränderungskompetente Unternehmen kann so zum Leuchtturm werden.

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail