08 Feb

Bewertungskriterien und Studienergebnisse zur Nachhaltigkeit von Unternehmen

  • Februar 08, 2015
  • von tma

Nachhaltigkeit führender Schweizer und europäischer Unternehmen

Nachhaltigkeitsberichte sind heute bereits viele zu finden. Nahezu alle grossen börsennotierten Unternehmen publizieren solche Berichte – besonders diejenigen, welche im Consumer-Geschäft aktiv sind. Studien belegen, dass Unternehmensführer das Thema Nachhaltigkeit und CSR (Corporate Social Responsibility) inzwischen wirklich ernst nehmen: das Image des Unternehmens und die Glaubwürdigkeit bei Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten steht auf dem Spiel.

Positive Beispiele für gute Nachhaltigkeitsberichte gibt es auch in der Schweiz, z.B. die Detailhändler COOP und Migros, Swisscom, Zürich Versicherung, Swiss Re, IKEA, Geberit, … um nur einige zu nennen.

Die meisten Unternehmen erstellen ihre Nachhaltigkeitsberichte im GRI-Format (Global Reporting Initiative). Dazu haben sie parallel Umwelt-Management-Systeme (UMS) aufgebaut, um die ökologischen Belastungen messen und reduzieren zu können.

Was umfasst nun ein solcher Nachhaltigkeitsbericht? Der Leitfaden für GRI gibt zunächst die Inhalte vor, die Struktur selbst kann jedoch vom Unternehmen gewählt werden und am Ende des Berichts wird dann lediglich dargestellt, welche der GRI-Kriterien behandelt wurden.

Die Praxis zeigt oft folgenden Aufbau von Nachhaltigkeitsberichten:

  1. Übersicht, warum Nachhaltigkeit für das betreffende Unternehmen wichtig ist.
  2. Verankerung der Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmensstrategie und in den Management-Systemen. Einige Unternehmen formulieren als Vision/Ziel den CO2 Fussabdruck ihrer Produkte in den nächsten Jahren um bis zu 50% reduzieren zu wollen.
  3. Darstellung, was das Unternehmen in den 3 Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales (4 gesellschaftliche Themenfelder) im betreffenden Jahr geleistet hat und wo es steht.
  4. Einige Unternehmen führen in Übersichten die Ziele und Massnahmen zu diesen 3 Handlungsfeldern auf und zeigen, welche Fortschritte erzielt wurden und wo noch Defizite bestehen.
  5. Eine Übersicht meist in Tabellenform, welche der Leistungskriterien des GRI-Leitfadens auf welcher Seite im Bericht behandelt wurde.
  6. Das Zertifikat mit der C-A-Anwendungsebene und meist mit dem + für die erfolgte Auditierung.

Bewertungskriterien

Je nachdem, wie umfangreich die Kriterien aus dem GRI-Katalog behandelt werden, erhält das Unternehmen eine C- bis A-Kategorisierung. Für die C-Kategorie muss das Unternehmen über mindestens 10 Leistungsindikatoren berichten; bei B über mindestens 20 und für eine A-Kategorisierung müssen alle 80 Leistungsindikatoren dargestellt werden. D.h. es handelt sich um eine quantitative und nicht um eine qualitative Berichterstattung. Die meisten Unternehmen lassen Ihren Bericht noch auditieren und erhalten damit z.B. eine A+ Einstufung.

Angesichts der Komplexität dieser Berichte sind einige Unternehmen dazu übergegangen, keine langen Berichte mehr als Druckfassung zu erstellen, sondern die Themen im Internet abzubilden und in einem Kurzbericht mit Links darzustellen, welche Kriterien behandelt wurden.

Aus Gründen der Transparenz ist es positiv zu bewerten, wenn ein Unternehmen über alle Leistungsindikatoren berichtet. Für den Konsumenten und die Stakeholder ist es jedoch schwierig zu beurteilen, wie nachhaltig das Unternehmen in dem jeweiligen Leistungsindikator wirklich ist. Es fehlt eine qualitative Vergleichbarkeit!

Wie kann nun eine Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsberichten erreicht werden?

Das gestaltet sich in der Praxis recht schwierig. Recht früh erkannt haben diese Problematik Analysten und Pensionsfonds, die Aktien zu bewerten haben. Ein aussagefähiges Bewertungssystem hat z.B. die Ratingagentur inrate in der Schweiz (www.inrate.com) entwickelt. Sie nimmt eine Nachhaltigkeitsbewertung von börsennotierten Unternehmen vor und kategorisiert sie nach dem ISA©-Rating

A (A+ / A / A-) für „Nachhaltig und fördert Übergang zur Nachhaltigkeit“
B (B+ / B / B-) für „Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“
C (C+ / C / C-) für „Nicht nachhaltig aber mit einem kleinen Einfluss“
D (D+ / D / D-) für „Nicht nachhaltig“

Im Rahmen dieser Bewertung untersucht inrate das betreffende Unternehmen nach 4 den Kriterien Environment, Labour, Society und Governance, bewertet dieses auf einer Skala und vergleicht die Kriterien auch mit dem jeweiligen Industriedurchschnitt.

Bewertungskriterien

Quelle für die vorstehenden Grafiken ist der inrate Sustainablity Guide 2013, Company and Sector Analysis of the STOXX® Europe 50 Index, Featuring the new Inrate Sustainability Assessment, 2013. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die im Internet zum Download angeboten wird: www.inrate.com/Inrate/media/Documents/Studies/InrateSustainabilityGuide2013.pdf

In dieser englischsprachigen Broschüre werden alle STOXX® Europe 50 Unternehmen in diesem Raster dargestellt – inkl. 9 Schweizer Konzernen. Die Unternehmen wird jeweils kurz vorgestellt, es werden die wesentlichen Fragen zur Nachhaltigkeit benannt und die Gründe zur Einstufung ausgeführt. Inrate nimmt in dieser Analyse auch eine ISA©-Rating-Einstufung von 13 Branchen vor (Bandbreite der Nachhaltigkeit der Unternehmen in dieser Branche mit Benennung der wichtigsten Akteure).

Dieses Bewertungssystem ist vielversprechend; leider gibt es dieses nur für börsennotierte Unternehmen und andere Ratingagenturen verwenden ihre eigenen Ansätze – wie z.B. IÖW/future Ranking (zuletzt für 2011 in Deutschland durchgeführt).

Ein interessanter Bewertungsansatz, der auch für KMU nutzbar und relativ kostengünstig ist, resultiert aus der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz. Hier werden 17 Kriterien aus den Themenfeldern Ökologie und Soziales untersucht und bewertet. Die ökonomische Vergleichbarkeit ist bei den meisten Unternehmen bereits aus den Jahresabschlüssen ersichtlich. Informationen zur Gemeinwohlbilanz sind zu finden unter www.gemeinwohl-oekonomie.org.

Dr. Ralf Nacke

Als Begleiter authentischer Nachhaltigkeits- und Social Responsibility Konzepte für Unternehmen koordiniert er seit 2014 die Schweizer Aktivitäten für Terra Institute und ist Projektleiter für den Wirtschaftskongress „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“ in der Umwelt Arena in Spreitenbach.

15Ralf

Dr. Ralf Nacke ist Diplom-Volkswirt und promovierter Volljurist (LMU München). Er war u.a. für Bain & Company als Strategieberater und für AlixPartners als Restrukturierungsberater und Projektleiter tätig. Wesentliche Change- und Transformations-Prozesse begleitet er seit über 27 Jahren als Unternehmensberater und Interimsmanager, wofür er u.a. Workshop- und Grossgruppen-Konferenz-Techniken für schnelle und nachhaltige Veränderungen einsetzt. Ihm sind die Herausforderungen der Unternehmen in den Themenbereichen Ökologie/Umweltschutz und Organisationsentwicklung gut vertraut.

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