24 Jan

Best Practice für regionale Lebensmittel in Südtirol

  • Januar 24, 2015
  • von tma

Interview mit Ulli Wallnöfer

Pur Südtirol beschreibt sich als Genussmarkt – was kann man sich darunter vorstellen?

Als Genussmarkt Pur Südtirol, mit insgesamt 3 Märkten in Südtirol, versuchen wir eine ganzheitliche Sicht auf den Lebensmittelhandel und die Gastronomie in Kombination zu legen und wir folgen klar definierten Werten. „Regional, saisonal und nachhaltig“ ist das Motto unseres Modells, das uns und unseren Partnern als Leitfaden dient.

Die Regionalität ist bei uns allerdings das Maß aller Dinge; insgesamt bieten wir 1.800 verschiedene Lebensmittel von über 220 Südtiroler Anbietern und davon ca. 180 Bauern an. Das Angebot reicht von verschiedensten Weinen, über Apfelsaft, Rohmilchkäse, Speck- und Wurstwaren, Brot, frisches Obst und Gemüse bis hin zu Fisch und Frischfleisch. In einem Bereich unserer Märkte können unsere Kunden auch essen und trinken, darunter Salate, Käse- oder Speckteller, Müslis, besondere Frühstücke und Strudel. Bei regelmäßigen Verkostungen lerne die Kunden Bauern und Produzenten kennen und die Besonderheiten derer Produkte sehen, riechen und schmecken und somit wird jeder einzelne Kunde zum Koproduzenten. Die zentrale Stellung unsere Märkte nehmen somit Lebensmittel ein, die von besonderen Menschen produziert werden und die eine Geschichte erzählen und die man sowohl kaufen, direkt konsumieren oder verkosten kann. Es geht uns also um das bewusste Essen und Trinken in entsprechendem Ambiente: für uns eben „Genussmarkt“ Pur.

Was waren Ihre persönlichen Bewegründe bei der Gründung von Pur Südtirol?

Wir kommen ursprünglich aus dem Weinbereich und mein Partner Günther Hölzl und ich haben uns 2009 intensive Gedanken darüber gemacht: in welche Richtung entwickelt sich die Welt? Wie sieht die generelle Lebensmittelproduktion und –Verteilung aus? Welche Stellung hat das Essen und Trinken in unserer globalisierten, hektischen Welt? Die intensive Auseinandersetzung mit diesen Fragen und die mehr als ernüchternden Antworten, die wir darauf gefunden haben, haben uns motiviert mit Pur Südtirol zu starten bzw. es weiter zu entwickeln. Gleichzeitig haben Günther und ich kleine Kinder und deren zukünftige Fragen, „was hat denn Eure Generation getan, um hier Abhilfe zu schaffen“ ist ein Motor, der uns laufend hilft unser Projekt weiterzuentwickeln.

Was machen Sie anders?

Unsere Verkaufslokale sind als moderner Markt konzipiert und haben mit einem üblichen Verkaufslokal wenig gemein. Den Besucher erwartet beim Betreten nicht etwa das übliche Labyrinth an Regalen, vollgepfercht mit Industrieware, sondern ein Flair Mix aus Markt, Schankbetrieb, Kaffeehaus und Weingalerie. Es gilt für uns den Konsumenten wieder für heimische Produkte zu gewinnen, für Produkte aller Art aus der näheren Umgebung und damit schaffen wir den sogenannten „kleinen Kreislauf“ und schaffen maximale regionale Wertschöpfung, vermindern Transit und mit ihm die Schadstoffbelastung. Gleichzeitig bieten wir viele Produkte, vor allem Obst und Gemüse nur saisonal an und somit lernen wir alle wiederum, wann welche Obst- und Gemüsesorten in unseren Breitengraden reif sind. Als aktive Mitglieder der Gemeinwohlökonomie und Verfechter einer etwas „anderen“ Wirtschaft unterscheiden wir uns auch diesbezüglich signifikant vom „mainstream“.

Was sind die nächsten Schritte von Pur Südtirol?

Erst vor einigen Monaten haben wir unseren 3. Genussmarkt in Bozen eröffnet und dort gibt es sehr viel zu tun, um unsere hoch gesteckten Ziele und unseren Enthusiasmus für Lebensmittel laufend weiter zu geben und zu leben. Gleichzeitig ist permanentes Wachstum nicht unser primäres Ziel und als regionaler Frischmarkt gilt es, gemeinsam mit unseren Partnern, das hochwertige Lebensmittelsortiment weiter auszubauen und die Vielfalt und damit Biodiversität noch zu erhöhen. Im gleichen Zuge sehen wir uns auch als Multiplikatoren und sind bereit, im Zuge von Beratungen möglichen Partnern in anderen Regionen bei Interesse zu helfen, ähnliche Regionalentwicklung im Lebensmittel Bereich zu schaffen und zu etablieren.

Ulli Wallnöfer

Referent „think more about“

ulli wallnoefer

Zum Autor

Ulrich Wallnöfer ist Mitbegründer und Initiator von Pur Südtirol, einer Plattform für die Vermarkung und Entwicklung von regionalen, nachhaltigen Lebensmitteln und Produkten. Ausserdem ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der Meraner Weinhaus GmbH. Vorher war er Geschäftsführer der Pedross AG in Latsch, einer internationalen Unternehmensgruppe der Holzindustrie. Seit einigen Jahren arbeitet Ulrich Wallnöfer auch als Referent zu den Themen Verkauf & Marketing.

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